Harald Bischoff und Michael Lucan 1997 im LORA-Studio (bearbeitete Bild-Fassung – für ’10-Jahre-LORA‘-Stellwand im Jahr 2003 im Eine-Welt-Haus, München -, u.a. wurde eine Zigarette weg retuschiert …)

Titelbild ‚LORA AKTUELL‘
Nr. 1/1995

Dieser Artikel ist ein gemeinsamer Text von Harald Bischoff und Michael Lucan. Er befand sich in der ersten Ausgabe von LORA AKTUELL (Ausgabe 1/95, erschienen im Oktober 1995). Er ist mit wenigen kleinen Korrekturen und Änderungen – und ansonsten identisch – hier über­nom­men.

Interessant, den Text nach vielen Jahren erneut zu lesen – tatsächlich ist er eine gute Beschreibung unserer Sendung aus damaliger Sicht. Interessant das alte Logo, das auch – ganz am Anfang – diese Webseite und unser Briefpapier geziert hat.

LORA AKTUELL war der Versuch einer LORA-eigenen Zeitschrift. Unsere Sendung wurde bis ins Jahr 2017 fortgeführt, diese Webseite gibt es immer noch. LORA AKTUELL aber wurde nach der 2. Ausgabe eingestellt.
Es lag … natürlich … am Geld – und an Uneinigkeit zwischen den Beteiligten: meiner Wenigkeit und einem damals neu gewählten Vereinsvorstand (dessen Vorsitzender und Kassier später – Jahre später – nicht gerade in Ehren das Projekt LORA verlassen mussten) und anderen, nicht direkt beteiligten Personen.
Man hatte schlicht kein Vertrauen, dass das Projekt erfolgreich und sich dabei finanziell selbst tragend fortgeführt werden könnte. Aber das gehört eigentlich nicht hierher.

Hier gibts die Inhalte von LORA AKTUELL:

Seit Sendebeginn von LORA MÜNCHEN gibt es das „Sendegefäß“ Liederliches & Kleinkunst.

Jahrelanges Intro „bei Bischoff“ war ein Georg-Kreißler-Song – jetzt (Okotber 1995) geht es eher um Liedermacher und Liedermacherinnen wie Ludwig Hirsch, Joy Flemming, Georg Ringsgwandl und um KabarettistInnen wie Ottfried Fischer, Angelika Sedelmeier, Günther Grünwald, Susanne Weinhöppel und Jockel Tschiersch.

Harald Bischoff: „München ist – seit ich denken kann – ein ‚melting pot‘ – in bezug auf die Kleinkunst- und Kabarett-Szene. Diese Form von Parallel-Kultur hat sich seit den 30er Jaren deutlich in München etabliert, vermischt mit Einzelpersonen, die ihr eigenes Entertainment solo auf jene Bühnen gebracht haben, die es ihnen gestattet haben.
Ich denke da spontan an die ‚Katakombe‘, die – initiiert und gepflegt von Nannette und Werner Bald – 1994 im Herbst ihr 44jähriges Jubiläum gefeiert hat. Eine Veranstaltung übrigens, die nur von LORA-München ‚gefeatured‘ wurde, wie das auf neudeutsch heißt.“

Harald Bischoff, Redakteur und Moderator dieser Sendung, ist Diplomsoziologe, Jugendforscher und Medienschaffender.
Er versteht es wie kein anderer, seinen Interviewpartnern sympathische Anekdoten und humorvolle Selbstdarstellungen zu entlocken. Dass es dabei auch manchmal an die Unterwäsche und an prickelnde Details geht, macht die Gespräche spannend und abwechslungsreich.

Live, spontan und unkompliziert laufen diese Gespräche ab – und stets gibt es interessante Ausschnitte aus dem Programm der jeweiligen KünstlerInnen zu hören.

„Wenn ich eine Frau oder einen Mann im Studio habe, will ich wissen, was der- oder diejenige wirklich zu sagen hat. Und ich mache meinem Gegenüger nichts vor, ich spiele keine Rolle. Diese Ehrlichkeit schützt mich auch in gewisser Weise vor bösen Überraschungen. Denn jeder – oder jede – will sich ja – irgendwie – selbst darstellen.
Ich lasse sie – oder auch ihn, aus sich herausgehen – ohne ihn oder sie in seiner Eigenart zu manipulieren. Daraus wachsen manchmal Vertrautheiten, die über den Rahmen meiner Sendung hinausgehen. Aber auch diese – zum Teil mühsam erarbeiteten Vertrautheiten – sollten dann ebenos unverkrampft ausgesprochen werden.
Wenn das zustande kommt, werden meine Sendungen gut, und auch der Zuhöhrer hat sein Erlebnis und schaltet wieder ein – das nächste Mal!“
(Harald Bischoff)

„Liederliches & Kleinkunst“ hat neben den „Live-Events“ auch noch Platz für Liederliches-Specials, eine weitere Idee von Harald Bischoff. In monatlichem Zyklus werden hier Spezialthemen vorgestellt, die weit über den Rahmen der Münchner Kulturszene hinausgehen:


Harald Bischoff und Michael Lucan
(1997 im LORA-Studio) … kleine Spielerei mit Mouse-Over-Effekt.

Da kommt es dann schon einmal vor, dass Harald Bischoff Platz macht für einen Jürgen Jung mit einem Special über Frank Zappa, als der gerade verstorben war – oder für die Musik von Charlie Chaplin, die er mit der Unterstützung von Michael Lucan vorstellte.

Michael Lucan seinerseits versteht das „Spezielle“ an den Special-Ausgaben von „Liederliches & Kleinkunst“ so: „Musik, die sonst niemand hört. Entweder, weil er oder sie diese Musik nicht kennt – oder nicht mag. Musik jedenfalls, die auf allen Kanälen unterrepräsentiert ist, und daher bei LORA, bei Liederliches & Kleinkunst, ihren Platz finden sollte.“

Bisher waren hier die schon erwähnten Stücke aus Charlie-Chaplin-Filmen zu hören, aber auch Laurel & Hardy-Lieder, ein Special über Django Reinhard, Heinz Rühmann, Sendungen mit Demo- und Übungsaufnahmen von Nachwuchsbands und über die Musik und das Leben von Kurt Weill, dem Komponisten der Dreigroschenoper.

„Grundsätzlich will ich natürlich Menschen im Studio haben, die hier in München ihr Unwesen treiben. Aber ich habe natürlich nichts gegen wirklich scharfe Frauen und Männer, die z.B. wegen eines Theaterfestivals aus Berlin oder Köln nach München kommen – auch in diesen Städten gibt es Theater und Kleinkunst! Wie übrigens auch in Leipzig oder Dresden, was viele noch nicht wahrhaben wollen.
Um so mehr bewundere ich natürlich Herren wie Knoll und Ettlich (Schlachthof und Heppel & Ettlich), die es immer wieder verstehen – an jeglicher Kulturförderung vorbei – wirklich Gutes nach München zu transportieren.
Ohne Menschen wie diese wäre München nicht so liebenswert, wie es das für mich ist.“
(Harald Bischoff)

Und für den Monat Oktober 1995 hat sich Harald Bischoff etwas Besonderes ausgedacht. Den ganzen Monat über gibt es „Special-Features“ zum Thema Kabarett: Ein abendfüllendes Programm wird kompakt auf eine Stunde gekürzt – die Highlights des Abends werden vorgestellt.

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