Dieter-Hildebrandt-Preis geht an Christine Prayon

Christine Prayon (2012)
Foto: Michael Lucan

Die Kabarettistin und Schauspielerin Christine Prayon wird mit dem diesjährigen Dieter-Hildebrandt-Preis der Landeshauptstadt München ausgezeichnet. Dies hat der Kulturausschuss des Stadtrats auf Empfehlung der Jury jetzt beschlossen.

Der mit 10.000 Euro dotierte Dieter-Hildebrandt-Preis wird jährlich für anspruchsvolles politisches beziehungsweise dezidiert gesellschaftskritisches Kabarett vergeben. Preiswürdig sind Künstlerinnen und Künstler aus dem gesamten deutschsprachigen Raum für ihre Einzel- oder Ensembleleistung, reine Wortprogramme oder Musikkabarett. Der Preis wird seit 2016 zur Erinnerung an den Kabarettisten Dieter Hildebrandt verliehen. Die bisherigen Preisträger sind Claus von Wagner, Josef Hader und Andreas Rebers.

Die Jury begründete ihre Entscheidung wie folgt:

„Wenn Christine Prayon als Diplom Animatöse die Bühne betritt, ist es für das Publikum ebenso betörend wie verstörend. Das liegt zum einen an ihrer wunderbaren Stimme und den eigenwilligen Outfits, zum anderen an den Geschichten, die sie uns erzählt. Hier geht jemand ein hohes Risiko ein, denn es werden keine gängigen Erwartungshaltungen bedient, sondern erst einmal ad absurdum geführt. Das was dann aber im Laufe des Abends folgt, ist schlicht und ergreifend komisch.
Mit ihren Figuren, die sie radikal und konsequent bis zur Schmerzgrenze ausspielt, konfrontiert sie uns mit der ständig weiter um sich greifenden Volksverblödung. Sich hinzustellen und sich darüber aufzuregen, dass wir verblödet werden, ist das eine, es uns vorzuspielen und zu zeigen, ist das andere. Sie klagt nicht einfach an – sie entlarvt, und wir sind ihre Zeugen. Humor bekommt durch sie eine neue Dimension. Frei von Klischees und den handelsüblichen Schlagwörtern oder Zoten überzeugt sie uns als präzise Analytikerin, Poetin und Satirikerin. Sie setzt ihre Anliegen schau- spielerisch und künstlerisch meisterhaft in Szene und verzichtet dabei auf Plattitüden oder Schrillheiten.
Wo andere schön sind, wird sie hässlich, wo andere schnell sind, wird sie langsam, und wo andere laut sind, bleibt sie leise. Das muss man sich erstmal trauen. Aber sie kann das. Ihre künstlerische Arbeit auf der Kabarettbühne geht weit über die Addition politisch klingender Themen hinaus. Anstatt mit einer Haltung zu kokettieren, findet sie als Autorin und Darstellerin kreative Lösungen, die an Doppelbödigkeit ihresgleichen suchen. Sie verzichtet auf die Nennung von Namen und die explizite Benennung von Missständen, sorgt aber in ihrem künstlerischen Kontext dafür, dass wir wissen, wer oder was gemeint ist. Sie nimmt ihr Publikum ernst, lässt es entdecken, mitdenken und staunen. Dabei bleibt sie eigensinnig, wunderbar komisch und immer bei sich. Diese Eigenschaften führen zu einem Alleinstellungsmerkmal, das Christine Prayon zu einer würdigen Preisträgerin macht.“

Die Jury 2019 unter dem Vorsitz von Kulturreferent Dr. Hans-Georg Küppers setzte sich – gemäß Stadtratsbeschluss – wie folgt zusammen: Christiane Brammer (Schauspielerin, Kabarettistin), Andreas Rebers (Kabarettist, Preisträger 2018), Marcus H. Rosenmüller (Filmemacher), Helge Rösinger (Bayerischer Rundfunk / Fernsehen), Renate Hildebrandt (Kabarettistin), Helmut Schleich (Kabarettist, Preisträger Kabarettpreis 2007), sowie die Stadtratsmitglieder Ulrike Grimm, Richard Quaas (beide CSU-Fraktion), Horst Lischka, Christian Vorländer (beide SPD-Fraktion) und Dr. Florian Roth (Fraktion Die Grünen – rosa liste).

Der Preis wird am 14. Mai 2019 durch Oberbürgermeister Dieter Reiter vor geladenen Gästen verliehen.

Informationen auch unter www.muenchen.de/kulturfoerderung unter „Preise“