Charlie-Chaplin-Special

Foto: Fred Chess

Wer im Kino auch noch Zeit für den Nachspann hatte, für den ist es keine Neuigkeit, dass Charles Spencer Chaplin nicht nur Schauspieler und Regisseur seiner Filme war, sondern auch die Musik für seine Filme selbst geschrieben hat.

Dass er selbst aus einer Musikerfamilie stammte – seine Mutter war Soubrette, sein Vater Sänger in Londons Music Halls – ist weniger bekannt.

Und nur der eingeschworenen Fan-Gemeinde Chaplins ist es bekannt, dass er vor seinem filmischen Durchbruch ernsthafte Ambitionen hatte, als Konzertsolist mit Violoncello und Geige aufzutreten.

In der nächsten Stunde möchten wir einige Stücke von Charles Spencer Chaplin aus seinen Filmen vorstellen, um so den Großmeister des Celluloids einmal aus einem anderen Blickwinkel – nämlich dem musikalischen – zu würdigen.

Youtube: Musik 1: Smile, CD Thomas Beckmann Charlie Chaplin, Nr. 1

Hören wir zu erst den Titel Smile, er ist für den Film „Modern Times“ von ihm komponiert worden. Chaplin hat an diesem Film 3 Jahre gearbeitet, von 1933 – 1936.

Am 16. April 1889 wurde Charles Spencer Chaplin in London geboren. Sein Vater ist französischer Herkunft und seine Mutter, eine geborene Hill, stammt aus Irland.

4 Tage später, am 20. April, wird Adolf Hitler geboren. Eine Tatsache, die immer wieder Anlaß für eine gewisse Faszination ist: waren es doch die Menschen Charlie Chaplin und Adolf Hitler, ihr Denken, Handeln und ihre Wertsysteme, die schließlich Geschichte machten.

Musik 2: Instrumentalstück aus „Moderne Zeiten“
(Film-O-Ton)

Youtube: Musik 3: Kellner-Lied (gekürzt) aus „Moderne Zeiten“

„Moderne Zeiten“, Zum ersten Mal war Chaplins Stimme übrigens in diesem Film zu hören. Und nur in diesem Lied: Im – verfremdeten – Chanson des Kellners:

Im Oktober 1938 beginnt Charlie mit ersten Arbeiten für „The Great Dictator“. Hören wir jetzt die Melodie „Falling Star“ aus dem Film, der erst am 15. Oktober 1940, also 2 Jahre nach dem Beginn des Projektes, uraufgeführt wurde:

Musik 4: Falling Star, CD „Oh! That Cello“ – 3:40

An dem Film „Der Große Diktator“ arbeitet Chaplin 2 Jahre. Hitler selbst soll einmal gesagt haben, dass Chaplin sein größter Konkurrent sei – und Hans Albers war überzeugt davon, dass Chaplin Reichskanzler hätte werden können, wenn er sich zur Wahl gestellt hätte.

Hören wir einen Teil aus der großen Schlußansprache des Diktators und dann den „March Millitaire“:

„Das Flugzeug und das Radio haben uns einander näher gebracht. Das innerste Wesen dieser Dinge ruft nach den guten Eigenschaften im Menschen – ruft nach weltweiter Brüderlichkeit – fordert uns auf, uns zu vereinigen. In diesem Augenblick erreicht meine Stimme Millionen von Menschen in der ganzen Welt – Millionen verzweifelter Männer, Frauen und kleiner Kinder – die die Opfer sind eines Systems, das den Menschen dazu bringt, Unschuldige zu quälen und in Gefängnisse zu werfen. Denen, die mich hören können, rufe ich zu: „Verzweifelt nicht!“

Das Elend, das über uns gekommen ist, ist nichts als Gier, die vorübergeht – die Bitterkeit der Menschen, die den Fortschritt der Menschen fürchten.

Der Haß der Menschen wird aufhören, Diktatoren werden sterben, und die Macht die sie dem Volk genommen haben, wird an das Volk zurückgegeben werden.

Solange Menschen sterben, kann die Freiheit niemals untergehen!“

Musik 5: Marche Militaire aus „The Great Dictator“

In seiner Ausstaffierung als kleiner Vagabund mit kleinem Bärtchen hatte Charlie Chaplin wirklich eine gewisse Ähnlichkeit mit Adolf Hitler.

Und je mehr er darüber nachdachte, desto mehr fand er Parallelen zwischen sich und dem deutschen Diktator. Sie waren im gleichen Jahr geboren, sogar im gleichen Monat – nur vier Tage auseinander! Und beide hatten während ihrer Kindheit die Armut gründlich kennengelernt.

Doch ihre Schicksale waren grundverschieden. Der eine brachte Leid über Millionen von Menschen – fast auf der ganzen Welt! Der andere brachte die ganze Welt zum Lachen.

Immer wenn Chaplin an Hitler dachte, schauderte es ihm vor Abscheu, aber auch vor Fascination.

Glaubt man den Worten des früheren NS-Autors und Chefdramaturgen der Wiener Filmunion, Hans Gustl Kernmayer, so hatte Adolf Hitler ähnlich ambivalente Gefühle gegenüber seiner Kopie auf der anderen von ihm noch nicht erobererten Seite des Teiches!

Kernmayer, der sich oft bei Adolf Hitler aufhielt, will gehört haben, wie Hitler in einer illustren Runde einmal gescherzt haben soll: „Dieser Chaplin ist mein größter Konkurrent!“

Und der blonde Hans von der Reeperbahn – Hans Albers – will sogar einmal gesagt haben: „Wenn sich Chaplin anstelle von Hitler zur Reichskanzlerwahl hätte aufstellen lassen – er wäre gewählt worden!“

Wie auch immer – eines ist unbestritten: Charlie Chaplin war bis zur Machtergreifung Adolf Hitlers der bekannteste Schaupieler und Regisseur der Welt – auch in Deutschland. Millionen Deutsche hatten ihn in seinen Filmen gesehehen

In seiner Ausstaffierung als kleiner Vagabund mit seinem kleinen Oberlippenbärtchen hatte er tatsächlich eine gewisse Ähnlichkeit mit Adolf Hitler.

Und je mehr er darüber nachdachte, desto mehr fand er Parallellen zwischen sich und dem deutschen Diktator. Sie waren im gleichen Jahr geboren, sogar im gleichen Monat, nur vier Tage auseinander – und beide hatten während ihrer Kindheit die Armut gründlich kennengelernt.

Doch ihre Schicksale waren grundverschieden. Der eine brachte Leid über Millionen und der andere brachte die ganze Welt zum Lachen.

„Immer wenn Dad an Hitler dachte“, so Charles Spencer Chaplin junior in seiner Autobiographie. „schauderte es ihn vor Abscheu – aber auch vor Faszination!“.

Chaplin hatte eine Vorliebe für Phantasiesprachen. Sie entsprach seiner Freude, eine Sprache vorzutäuschen. Auf Parties sprach oder sang Charlie gern quasi Russisch, Ungarisch und so weiter.

In seiner Hitler-Parodie, dem GROSSEN DIKTATOR – genial und zunächst mißdeutet – reduziert er das Deutsche, oder besser das Deutsch des „Führers“ aufs typische und kennzeichnet es gleichzeitig unmißverständlich:

O-Ton 6: Hitler-Parodie (gekürzt)
(Film-O-Ton)

Man kann nur darüber staunen, wie genau Chaplin den Sprachklang Hitlers imitierte.

Die Musik vom GROSSEN DIKTATOR ist von „chaplinesker“ Vielfalt. Dies gilt sowohl für die Eigenkompositionen wie auch für die ausgewählten Fremdwerke.

Da ist zum Beispiel der Ungarische Tanz Nr. 5 von Johannes Brahms. Er dient in einer genau choreografierten Szene als sehr komisch wirkende rhytmische Basis beim Rasieren – wir hören ihn uns gleich an.

Und da ist – bei dem Tanz mit der Weltkugel – das Gralsmotiv aus dem Vorspiel von Wagners Lohengrin.

Sophia Lissa schreibt darüber in ihrer „Ästhetik der Filmmusik“:

„Es zeigt sich dabei, dass die Musik im Film ihren bestimmten Ausdruckscharakter, ihre emotionale Aussage verlieren oder verändern kann, je nachdem, mit welcher filmischen Situation sie verbunden ist. Der antithetische Kontrast zwischen dem Bild und der Musik ergibt hier eine neue Qualität für beide.“

Der für den GROSSEN DIKTATOR von Chaplin komponierte „Marche Militaire“ – wir hörten ihn vorhin – wirkt sehr viel martialischer als ein anderer aus SHOULDER ARMS – ist natürlich auch eine Interpretationsfrage.

Den Ungarischen Tanz und in einer nachgespielten Version hören wir uns jetzt mal an.

Den Ungarischen Tanz zweimal: Erst in einer Aufnahme von 1927 – es spielt Wolfgang Schneiderhahn – und dann in der Filmversion vom GROSSEN DIKTATOR, damit die Unterschiede deutlich erkennbar werden:

Musik 7: CD Wolfgang Schneiderhahn, Ungarischer Tanz Nr. 5, „Die frühen Aufnahmen 1927 – 1940“, Nr. 4 – 2:20

Musik 8: Ungarischer Tanz Nr. 5 aus „Der Große Diktator“
(Film-O-Ton) – 2:00

Für die Ghetto-Szenen des GROSSEN DIKTATOR schrieb Chaplin fast originale östlich-jüdische Folklore, z. B. für das schicksalhafte Puddingessen:

Musik 9: Instrumentalstück aus „Der große Diktator“ – 0:42
(Film-O-Ton)

Neben schmalzig schönen Klängen bei der Emigration nach Austerlich und scharfen Dissonanzen beim Einzug Hinkels ins Nachbarland, neben einigen kleinen, unauffällig eingestreuten Zitaten (z. B. „Freude, schöner Götterfunken“) ist auch ein kleines, autobiographisches Zuckerl im GROSSEN DIKATOR enthalten. Wenn sich Anton Hinkel persönlich an den Flügel setzt und ein paar Takte aus dem Menuett von Ignaz Paderewski spielt:

Musik 10: Menuett von Ignaz Paderewski aus „Der große Diktator“ – 0:13
(Film-O-Ton)

Chaplin kannte den großen Pianisten von dessen Aufenthalt in den Vereinigten Staaten. Er beschreibt ihn auch in seinen Memoiren:

„Mit seinen langen Haaren und dem kleinen Bärtchen an der Unterlippe sah er recht eindrucksvoll aus. War er im Begriff, bei gedämpftem Licht in düsterer, Ehrfurcht erweckender Athmosphäre auf dem Klavierschemel Platz zu nehmen, dann hatte ich immer den Wunsch, jemand möge ihm den Sessel wegziehen.

Paderewski wurde polnischer Ministerpräsident, doch ich hatte dabei das gleiche Gefühl wie Clemenceau, der ihn anläßlich der unglückseligen Konferenz von Versaille fragte: ‚Wie kommt es, dass ein begnadeter Künstler wie Sie so tief sinkt, dass er Politiker wird?'“

Der nächste Film: „Limelight“. Terry’s Thema aus diesem Film machte Chaplin endgültig zu einem Evergreen-Komponisten. „Eternally“ oder in Deutsch: „Eine Melodie bringt Freud und Leid“. (Peter Alexander).

Wir hören – nach der Originalfilmmusik vom Anfang des Films – wieder Thomas Beckmann und Kayako Matsushita.

Musik 11: Limelight-Titelmusik aus „Limelight“ – 1:25
(Film-O-Ton)

Musik 12: Limelight, CD „The Musical Charm of Chaplin“, Nr. 9 – 2:41

Charie Chaplin arbeitete 4 Jahre an dem Film, der am 23. Oktober 1952 in London uraufgeführt wird. Er konzipierte Szenen seiner Filme oft Jahrelang – ohne sie von Haus aus bestimmten Filmen zuzuordnen. Er konnte sich das leisten, denn er hatte eine finanzielle Freiheit erreicht, die es ihm erlaubte nur zu arbeiten, wenn er sich inspiriert fühlte. Dies unterschied ihn von anderen großen Regisseuren dieser Zeit.

Er arbeitete immer an zukünftigen Projekten. Wenn es dann soweit war, holte er einzelne Szenen aus dem riesigen Speicher seines Gehirns und fügte sie zusammen.

Louise Brooks beschreibt die permanente Konzeptionsarbeit Chaplins so:

„1925 war ich einmal mit ihm in einem ungarischen Restaurant im jüdischen Ghetto von New York. Er ging jeden abend dahin, Gott weiß warum; keiner von uns konnte es sich erklären. Er bat den Geiger zu spielen und gab ihm 5-Dollar-Noten. Und wie viel Jahre später drehte er LIMELIGHT? Und da war die Szene! Und da war der Geiger!“

Youtube: Musik 13: Reunion-Walzer, Frank Chacksfield und sein Orchester – Ausschnitt ca 0:30

„Altmodische Sentimentalität und romantisches Pathos, gleichermaßen dick auftragende Operettenmusik“, so nannten einige Kritiker die Musik, die Chaplin für die Ballettszenen in LIMELIGHT komponiert hatte.

Man kann es natürlich auch anders sehen und hören. Eine gewisse Affinität zu Tchaikovsky, Minkus oder Rodrigo ist sicher festzutellen.

Die Musik in LIMELIGHT ist wesentlich auf die beiden Hauptdarsteller bezogen. Auch Calveros Clown-Nummern kommen ohne Musik nicht aus. Auch Chaplin hat so – oder so ähnlich – angefangen, als Couplé-Sänger:

Musik 14: Animal Trainer, aus „Limelight“
(Film-O-Ton)

Der „Animal Trainer“ – Außerdem gibt es die berühmte Szene mit Buster Keaton als Klavierspieler – mit lauter Kleinigkeiten aus dem Standard-Repertoire der damaligen Zeit. en Czardazs spielte Chaplin selbst:

Musik 15: Geigensolo/Klavier (gekürzt), aus „Limelight“ – 2:10
(Film-O-Ton)

1928 – Am 6. Januar ist die Uraufführung des Films THE CIRCUS. Schon ein paar Monate später – im Mai – beginnen die ersten Vorbereitungen für „City Lights“ – „Lichter der Großstadt“. Schon im Dezember sind die ersten Drehtage angesetzt. Aber erst am 30 Januar 1931 ist die Uraufführung.

Der Filmhistoriker Ivor Montagu beschreibt die Ängste Charlies bei seinen Premieren, die durchaus auch wirtschaftlicher Natur waren:

„Ich erinnere mich, wie sich Lichter der Großstadt der Fertigstellung näherte und Chaplin das Opfer seiner zwischen Enthusiasmus und Depression schwankenden Stimmungen wurde.

Mal war er überzeugt, dass dies das beste war, was er je geschaffen hatte, dann wieder verfiel er in die schwärzesten Depressionen.

‚Das wird niemandem gefallen, ich bin ruiniert!‘ Bei einer solchen Gelegenheit versuchte ihn ein Freund aufzumuntern: ‚Nur weiter Charlie! Selbst bei einem Flop bleibt dir eine Million Dollar!‘

Charlie wiedersprach nicht, aber seine Stimmung wurde auch nicht besser! ‚Was ist schon eine Million Dollar? Was kann man mit einer Million Dollar zustandebringen? Nichts! Aber auch garnichts!‘

Und dabei war überhaupt keine Koketterie. In solchen Situationen pflegte Chaplin nicht zu scherzen. Aber mir wurde etwas klar, was ich niemals vergessen werde: Die Angst vor dem Verlust der eigenen Unabhängigkeit. Charlie brauchte mindestens immer 2 Millionen Dollar. Eine Million für den nächsten Film und die zweite für die eigene Unabhängigkeit.

Im Besitz von nurmehr einer Million Dollar könnte er nicht mehr machen was er wollte, arbeiten, wie er es für richtig hielt. Er würde ein Sklave seiner Leistungen sein, müßte sich die Flügel stutzen und kooperieren, wie jeder andere in der Filmbranche auch.“(Ivor Montagu, Film World, Pelican Books, London 1964.)

„Lichter der Großstadt“ – „City Lights“, war der letzte Chaplin Film der in Deutschland gezeigt wurde. Danach verschwand der Name Chaplin aus der gleichgeschalteten nationalsozialistischen Presse.

Wir machen wieder einen Zeitsprung – ins Jahr 1958.

Chaplin beginnt die Arbeit an der „Chaplin Revue“, eine Zusammenstellung von „A dog’s Live“, „The Pilgrim“ und „Shoulder Arms“ – und hören daraus den Titel „Coffee and Cakes“.

Musik 16: Coffee and Cakes, CD „OH! That Cello“, Nr. 8 – 4:18

Die Ängste Charlie Chaplins bei den Previews, zu denen er oft wildfremde Menschen einzuladen pflegte, beschreibt keiner eindrucksvoller als er selbst in seiner Autobiographie. Charlie verkleidete sich manchmal, um unerkannt inmitten der zufällig anwesenden Menschen deren Reaktion studieren zu können:

„Ich bekam einen Platz hinter drei stämmigen Mexikanern, die mit verschränkten Armen den Beginn des Films erwarteten.

Ich nahm an, das etwas Bewegung in sie hineinkommen würde, wenn der Film anlief. Aber nichts geschah, sie blieben unbeweglich – wie drei Felsen sitzen.

Ein panischer Schreck überfiel mich, als ich mich nach dem übrigen Publikum umblickte. Es war nicht einer unter den Besuchern, der auch nur einen Gesichtsmuskel verzogen hätte.

Mein Magen begann sich zu drehen. Ich drängelte mich nach draußen auf die Toilette und übergab mich.

Draußen redete ich mir ein, dass das einfach nicht war sein könnte, und ging wieder zurück.

Im Theater war es so still wie in einem Grab.

Ich fand die drei Mexikaner noch genauso vor, wie ich sie verlassen hatte – reglos, mit verschränkten Armen. Sie faszinierten mich. Warum war bei ihnen nicht die geringste Reaktion zu verspüren?

Ich musste wieder zur Toilette. Vier- oder fünfmal eilte ich im Verlauf des Films nach drau-ßen, um mich zu übergeben.“

Youtube: Musik 17: Matt Munro / I’m Bound For Texas (gekürzt), aus „Der Pilger“

Vom ersten April 1922 bis zum 15. Juli dauern die Dreharbeiten zu „The Pilgrim“ – „Der Pilger“. Am 26. April des nächsten Jahres, also 1932, wird der Film uraufgeführt. Zu diesem Film hat Chaplin den Titel „I’m Bound For Texas“ geschrieben:

Musik 18: Texas – Texas Border, CD Thomas Beckmann Charlie Chaplin, Nr. 2 – 2:55

Musik 19: Instrumentalstück aus „Der Pilger“
(Film-O-Ton)

Einen Großteil der Musik von Charlie Cahplin haben wir direkt aus den Filmen kopiert. Ein andere Teil stammt von einer CD von Thomas Beckmann – am Cello – und Kayoko Matsushita – am Konzertflügel.

Die Chaplin-Administration versuchte zunächst, die Veröffentlichung dieser Platte zu verhindern. Die Witwe Oona, die damals noch lebte, war aber begeistert von dem Projekt und ermöglichte die Herausgabe dieses Werkes. Es wurde die erfolgreichste Cello-Platte des Jahres und mit dem Preis der Deutschen Schallplattenkritik ausgezeichnet.

Drei von diesen Cassetten haben wir jetzt zur Verlosung hier: Wer anruft, gewinnt – die ersten drei natürlich nur. Bitte ruft folgende Telefonnummer an: 480 28 51 – 480 28 51.

(Musik 19 weiter)

Wenn Charlie eine neue Musik komponierte, pflegte er die Melodie seinen Arrangeuren vorzupfeifen. Diese versuchten dann eilfertig, die Töne auf’s Papier zu bringen. Die Hollywood-Arrangeure machten dann Orchesterstücke daraus, über deren Schwülstigkeit sich Charlie stets ärgerte:

„Die Musik-Arrangeure verstanden das selten. Sie wollten die Musik lustig haben. Ich aber erklärte ihnen, dass ich keine Konkurrenz wünsche, sondern dass die Musik ein Kontrapunkt von Anmut und Charme sein soll, dass sie Gefühl ausdrpcken soll, ohne das ein Kunstwerk unvollständig bleibt.“

Der nächste Film: A KING IN NEW YORK – EIN KÖNIG IN NEW YORK. Begonnen mit den Vorbereitungen hat Charlie Chaplin bereits 1955. IM Jahr 56 wurde der Film dann gedreht und im Jahr 1957 am 12. September in London uraufgeführt.

Stilistische Abweichungen die bei Chaplin bisher neu waren, kommen in der Musik zum A KING IN NEW YORK häufig vor. Allerweltsswing in Kino und Nightclub, im weitesten Sinn von frühem Rock’n’Roll beeinflußt, zum Beispiel in der folgenden Musik:

Musik 20: Mister, don’t you hurry, aus „Ein König in New York“ – 1:11
(Film-O-Ton)

Etwas besonders ist ein Klarinettenblues der immer im Zusammenhang mit Rupert – dem kleinen Kommunisten, mit dem Chaplin sich anfreundet – oder besser der König sich anfreundet gespielt wird, und der Jazzfreunde zum Aufhorchen bringen dürfte:

Musik 21: Rupert’s Thema, mit Film-Dialog, aus „Ein König in New York“ 1:18

Im November 1965 kündigt Charlie in einer Pressekonferenz „A Countess from Honkong“ an. Im Januar darauf beginnen die Dreharbeiten und sind im Mai beendet. Die Uraufführung ist 1967 am 2. Januar in London. Wir hören eine Musik daraus – „This is my song“:

Musik 22: This is my song, CD „The Musical Charm of Chaplin“, Nr. 9 2:30

Zu seinen musikalischen Ambitionen und seinen Plänen für Filme sagte Chaplin zu jener Zeit: „Ich besitze noch einige unvollendete Drehbücher, würde aber auch gern ein Theaterstück oder eine Oper schreiben, wenn die Zeit es mir erlaubt.“

Bemerkenswert, dass in ihm, der Musik aller Sparten in sich aufnahm, die Ordnung, die scheinbare Ordnung, doch letzten Endes unangetastet blieb und er die Oper als – sozusagen – unerreichbares Ziel vor sich hertrug:

Hören wir jetzt die die Vorspannmusik, die Overtüre zur COUNTESS FROM HONGKONG, komponiert und hier auch dirigiert von SIR Charles Chaplin:

Musik 23: COUNTESS FROM HONGKONG – Overtüre – 2:24

Zum Anfang seiner Karriere spielte Charlie auch in einer kleinen Musik-Band. In seinem Ensemble war ein aufstrebender junger Komiker, Stan Laurel. Der sagte über Chaplin:

„Er nahm seine Geige überallhin mit. Die Saiten hatte er spiegelverkehrt aufgezogen, so dass er mit der linken Hand spielen konnte. Und das tat er stundenlang. Eines Tages kaufte er sich ein Cello, und gewöhnlich hatte er auch dies immer bei sich. Damals zog er sich immer wie ein Musiker an, und sein Haar ließ er hinten lang wachsen.“

Pola Negri, die in den zwanziger Jahren seine Finanzberaterin war, erinnert sich in ihren Memoiren: „Charlie, der ein brillianter Musiker war, saß am Klavier um eine seiner eigenen Kompositionen zu spielen. Keine 5 Minuten vorher war durch den Raum geschlendert, hatte seine Geige geholt und daruf gespielt. Ich hörte ihm ein paar Minuten zu, bis ich plötzlich merkte, dass er mit der linken Hand spielte.

‚Ich habe noch nie einen Linksänder gesehen, der Geige spielt‘, sagte ich, ‚das ist ja lustig.‘

Er schleuderte das Instrument auf den Boden und sagte beleidigt: ‚Ich mache hier doch nicht den Clown für Sie!‘ “

Musik 24: Bathtube Nonsense, CD The Musical Charm of Caplin, Nr. 10 2:10

Wer Lust bekommen hat, die Musik auch zuhause anzuhören, kann uns jetzt anrufen, wir haben noch Original-Musik-Cassetten mit 13 Titeln von Thomas Beckmann am Cello und Kayoko Matsushita am Konzertflügel.

Unsere Telefonnummer ist: 480 28 51 – 480 28 51.

(Musik 24 weiter)

1943 begann Charlie mit den Arbeiten am Drehbuch von MONSIEUR VERDOUX. Die Filmaufnahemn von MONSIEUR VERDOUX begannen erst im Mai 1946 und dauerten bis September 1946. Die Uraufführung fand am 11. April 1947 statt.

MONSIEUR VERDOUX galt lange als Flop und wird erst seit einigen Jahren ernst genommen. Chaplin, hier wohl am weitesten von Tramp und Clown-Figur entfernt, setzte sich zu dieser Zeit für Hanns Eisler ein. Und Hanns Eisler unterstütze Rudolf Schrager, der die Musik für MONSIEUR VERDOUX arrangierte, mit Rat und Tat.

Die Musik enthält nicht viel charakteristisches. Chaplin hat sich hier ganz auf die Ebene der Sozialkritik begeben und die Musik nebenbei kompiniert. Aber neben dem Motiv, dass den mörderischen Helden bei seinen Taten begleitet – wir hören es gleich – hat er doch immer noch Zeit auch für musikalische Späße gehabt:

Musik 25: Klavierakzente/Klopfen, aus „Monsieur Verdoux“ -0:20
mit Dialog

Musik 26: Instrumentalmusik mit Dialog „Welch eine Nacht !“, aus „Monsieur Verdoux“ 0:52

Ist vielleicht ein Ausschnitt aus dem Dialog des Films gefällig? Hören wir mal rein: Monsieur Verdoux hat auf der Straße eine frisch aus dem Gefängnis entlassenen junge Frau aufgegabelt, an der er zunächst ein neues Gift ausprobieren möchte. Später läßt er es dann sein. Aber zunächst nimmt er sie mit und unterhält sich mit ihr. Die deutsche Stimme ist hier übrigens Vicco von Bülow – Loriot:

O-Ton 27: Dialog „Sind Sie hungrig?“, aus „Monsieur Verdoux“ -1:01

In 40 Jahren drehte Chaplin 80 Filme. Als er 1914 seine ersten Filme drehte, war er bald so populär, dass die Kinos nur ein Schild „Heute Chaplin“ vor die Tür hängen mussten, um ein volles Haus zu haben. Und 1977, im Jahre seines Todes, erlebte er noch die Genugtuung, dass auch seine lange verkannten und verschollenen Filme wie „Eine Frau in Pariser“ und „Ein König in New York“ Publikumserfolge wurden.

Charlie Chaplin starb am Morgen nach dem Heiligen Abend – am 25 Dezember 1977 um vier Uhr früh – in seiner Villa in Corsier sur Vevey am Genfer See.

Musik 28: Oh! That Cello, CD „Oh! That Cello“, Nr. 2 – 3:29

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