• Solidarität "Schneider"

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    Ja, und ich sage 'Guten Abend' und 'Herzlich willkommen zu einer etwas anderen Ausgabe von Liederliches und Kleinkunst', heute am 9. Juni 2002.

    Unser Thema heute: Hildegard Knef. Nicht ihre Filme, nicht ihre Bücher - auch nicht ihr Leben. Nein, ihre Musik ist unser Thema. Heute also Chansons von und mit Hildegard Knef.

    Musik 1 CD bei amazon.de
    Ich möchte am Montag mal Sonntag haben 1966 2:05
    LP "Ich seh die Welt durch deine Augen", 2/1, DECCA SLK 16383-P

    Hildegard Knef. Im Alter von 76 Jahren ist sie am 1. Februar diesen Jahres in Berlin gestorben. Sie hatte viele Begabungen und hat uns neben Filmen, Büchern und Bildern auch ihre Lieder, ihre Chansons hinterlassen.

    Und eines davon haben wir eben gehört: "Ich möchte am Montag mal Sonntag haben" aus dem Jahr 1966. Ihre letzte CD nahm Hildegard Knef nach fast 20 Jahren Pause im Jahr 1999 auf. "17 Millimeter" so heißt die CD und so heißt auch dieser Titel.

    Musik 2 CD bei amazon.de
    17 Millimeter 1999 4:08
    CD "17 Millimeter", 3, Red Moon 3984-29736-2

    "17 Millimeter" aus der gleichnamigen CD der Knef aus dem Jahr 1999. Sie hat diese CD im Alter von 72 Jahren aufgenommen und dass hört man natürlich.

    Sie hat von Haus aus keine ideale Singstimme, doch hier ist "ihre Stimme ... zerbrochen, manchmal rutscht sie aus den Tönen, die sie treffen will, manchmal hört sie mitten im Singen zu singen auf und rezitiert stattdessen", so schreibt ein Peter Praschl im Online-Magazin "Sofa" und fährt fort:

    "Die Billy Holiday der letzten Aufnahmen klang so ähnlich. Man merkte gleich, es geht zu Ende, da fährt schon ein kalter Wind in die Knochen, wir versuchen noch ein wenig zu singen, aber der Wind ist stärker als alles, was wir versuchen. Wer noch hören kann, ... hört sofort: es ist Kunst. Kunst ist das genaue Gegenteil von Virtuosität. Alles ist Ausdruck, jedes Wort, jede Silbe, jeder Buchstabe.
    Die neue CD von Hildegard Knef, die sich anhört, als wäre es ihre letzte, heißt "17 Millimeter". Elf Lieder, und alle sind sie mühsam. - Hildegard. Es gibt keine mehr wie sie. Und sie auch nicht mehr lange.
    " [http://www.digitalien.org/sofa/sofatest/musik/knef.html]

    Leider hat er recht gehabt: Es gab und gibt tatsächlich keine mehr wie sie. Zwei, drei Jahre nach dieser CD ist sie gestorben. An den Folgen einer akuten Lungenentzündung. Sie hatte schon seit Jahren an Krebs und einer Entzündung der Atemwege gelitten.

    Musik 3 CD bei amazon.de
    Die alte Frau 1966 2:52
    LP "Halt mich fest", 2/6, DECCA SLK 16466-P


    Musik 4
    In dieser Stadt 1986 2:40
    CD "Die letzte Tour Live", 1, Falcon Neue Medien 3781

    In dem Film "Schnee am Kilimandscharo" ("The Snows Of Kilimanjaro") aus dem Jahr 1952 (nach Deutschland kam der Film 1953) singt die junge Hildegard Knef ein Cole Porter-Lied. Cole Porter soll so begeistert von ihr gewesen sein, dass er ihr die Hauptrolle in seinem Broadway-Musical "Silk Stockings" ("Seidenstrümpfe") anbietet.

    In den Jahren 1954 bis 1956 tritt sie dann in insgesamt 675 Vorstellungen als Ninotschka in dem Broadway-Musical auf. Die Kritiker sagen, sie träfe nicht immer den richtigen Ton, aber das Publikum nimmt die Knef für sich ein: die Intensität und das Timbre ihrer Stimme faszinieren.

    Musik 5
    Medley aus "Silk Stockings" a) All Of You b) Without Love 1967 4:25
    LP "Die neue Knef", 2/1, TELDEC HÖRZU SHZT 537

    Hildegard Knef, die durch einige wenige Gesangsstunden in New York gelernt hatte, mit ihrer rauhen und verknarzten Stimme auch singend umzugehen beginnt Anfang der 60er Jahre ihre musikalische Karriere. In einer Verfilmung der "Dreigroschenoper" spielt - und singt - sie die Seeräuber-Jenny.

    Musik 6
    Die Seeräuber-Jenny 1963 2:05
    Single, 2, DECCA D 19 400


    Musik 7
    Von nun an ging's bergab 1967 2:22
    CD "The Great Hildegard Knef", 12, convoy (east west records) 849 996-2

  • O-TON Interview:
    'Von nun an ging's bergab', der Song klingt wie ein Lebenslauf.

    Knef: Es ist einer. Es ist ein Lebenslauf wider den tierischen Ernst - und ich hab' ihn geschrieben für diese Platte. Und die Langspielplatte, die jetzt rauskommt, fängt mit diesem Lied an.

    Die Langspielplatte hat 16 Titel, nicht wahr. Wieviel Songs im Jahr schreiben Sie so?

    Knef: Also für diese spezielle Platte hab' ich geschrieben - ich weiss nicht genau. Ich glaube es waren 35 oder 40 und davon flogen also sehr viele in den Papierkorb oder wurden aufgehoben - oder auch nicht - so dass also 16 zum Schluss übrig blieben.

    Sie schreiben die Texte, wie ist es mit der Musik?

    Knef: Die Musik nicht. Die Musik für diese Platte hat zum größten Teil, äh, also: 10 Songs dieser Platte wurden von Hans Hammerschmid komponiert, der auch die ganze Platte musikalisch arrangiert hat. Aber er kann es Ihnen erzählen, denn dort steht er ja.

    Wie geht das vor sich? Sie kriegen zuerst den Text der Frau Knef und dann schreiben Sie die Musik, oder umgekehrt?

    Hammerschmid: Ja, meistens sind - meistens stehen zuerst die Geschichten, die Texte. Und dann wird die Musik dazu gemacht.

    Und dann bearbeiten Sie's zusammen?

    Hammerschmid: Wir reden es durch, wir gehen ... Verbesserungen machen wir zusammen, wir überlegen's uns, wir werfen's weg oder wir nehmen's dann wirklich ins Repertoire und ...

    Ja, so eine Langspielplatte wie diese, die jetzt grad rauskommt, wie lange Arbeit steckt da drin?

    Hammerschmid: Ja, wir haben an dieser Platte mindestens 2 Monate gearbeitet, 2 bis 2 Monate. Ich glaube, es waren 10 Wochen circa.

  • Musik 8 CD bei amazon.de
    Ich zieh mich an und langsam aus 1967 2:48
    LP "Halt mich fest", 1/8, DECCA SLK 16466-P

    Werbeblock, mit Werbung Cafe am Beethovenplatz Werbung Theater im Fraunhofer

    Musik 9 CD bei amazon.de
    Gestern hab' ich noch nachgedacht 1966
    LP "Ich seh die Welt durch deine Augen", 1/1, DECCA SLK 16383-P

    "Hildegard Knef war stets ein Phänomen. Man wird von ihr gepackt oder nicht, nur lauwarme Symphatie plätschert nirgends" [Covertext zu "17 Millimeter", Oktober 1999], so steht's im Covertext zu "17 Millimeter":

    "Mit ihrem seismografischen Spürsinn für menschliche Seelenzustände behauptet sich Hildegard Knef wieder einmal als Texterin, die es schon immer verstanden hat, so manches Seelenfiligran - eigenes erlebt oder fremdes beobachtet - mit scheinbar schnoddrigem Tonfall aufzurebbeln, bevor es sich vollends verheddert, oder mit komplizenhaftem Zwinkern zu glätten, bevor es Knoten schlägt. Oder aber, sie 'lässt einfach lauter Lebenssprengstoff lächelnd hochgegen' - wie der grosse Berliner Kritiker Friedrich Luft einst über sie schrieb - 'und das macht ihr so heute keiner nach'."

    Dass ihre Stimme nicht unbedingt zum Singen gedacht aber doch dazu zu gebrauchen war, stellte sie auf der Bühne unter Beweis: Als Nummerngirl mit "'Eins und eins das macht zwei" in Schnitzlers Skandalstück "Der Reigen":

  • O-TON Knef:
    "Ich sang dieses Lied. Immer dazwischen - also zwischen diesen verschiedenen Episoden -,trat ich also auf und sang: 'Eins und eins das macht zwei' und so ..."



  • Musik 10
    Eins uns eins das macht zwei 1964 2:52
    CD "The Great Hildegard Knef", 1, convoy (east west records) 849 996-2

    Am Anfang habe ich gesagt, dass es heute nicht um die Filme, nicht um das Leben von Hildegard Knef geht, sondern um Ihre Musik. Natürlich war sie nicht nur die Sängerin und Chanson-Autorin.

    Und doch ist die Musik - finde ich - eine der beeindruckensten Hinterlassenschaften der Knef. Zunächst ist sie "nur" Interpretin Lieder anderer Leute doch dann erschafft sie mit ihrer untrüglichen Beobachtungsgabe und einer sympathischer Selbstironie das deutsche Chanson neu. Und singt ihre eigenen Texte - witzig und unverwechselbar, mit sicherem Gespür für Wort und Pointe und atemberaubender Intensität.
    Wer ausser ihr ist dazu schon in der Lage?

    Musik 11 CD bei amazon.de
    Ulrich Michael Heissig / Ich bin nicht die Hilde 2001 2:49
    CD "Ich, Irmgard Knef", 1, con anima CA 26527/Eichborn ISBN 3-931265-27-7


    Musik 12 CD bei amazon.de
    Ulrich Michael Heissig / Trennung '48 2001 3:39 (gekürzt = ....)
    CD "Ich, Irmgard Knef", 2, con anima CA 26527/Eichborn ISBN 3-931265-27-7


    Musik 13 CD bei amazon.de
    Ulrich Michael Heissig / Ja so schön war das nicht 2001 3:07 (gekürzt = ....)
    CD "Ich, Irmgard Knef", 7, con anima CA 26527/Eichborn ISBN 3-931265-27-7

    Hildegard Knef's Schwester Irmgard? Nein, die gibt es im wirklichen Leben nicht. Es handelt sich vielmehr um Ulrich Michael Heissig.
    Bewirft er etwa in seinem Programm "Ich, Irmgard Knef" eine Filmgöttin, eine großartige Schauspielerin, eine einzigartige Chansonsängerin, eine Bestsellerautorin, die Ikone einer ganzen Generation mit Dreck? Nun, der Deutschlandfunk nennt sein Programm "eine Huldigung (an Hildegard Knef), eine äußerst phantasievolle und mit Sicherheit die komischste, die es bisher gibt."

    Aber wir gehen doch wieder zurück zur echten und einzigen Hildegard Knef. Einer ihrer berühmtesten Songs hieß "Aber schön war es doch". "War das ihr Lebensmotto?", wurde sie im SFB gefragt:

  • O-TON Knef:
    "Es ist eine Vereinfachung und geht also an den Rand des Banalisierens des Lebens, nicht wahr. Das Leben ist so vielschichtig, dass mit einem einfachen Motto es abzutun schon fast an Frivolität grenzt."



  • Musik 14
    Aber schön war es doch 1964 3:02
    CD "The Great Hildegard Knef", 6, convoy (east west records) 849 996-2

    "Aber schön war es doch", ausnahmsweise ein Lied, dessen Text Hildegard Knef nicht selbst geschrieben hat. Dieser Titel kam aus dem Jahr 1964. Ein bißchen Zeit haben wir noch. Hildegard Knef hat bis Anfang der achtziger Jahre alle paar Jahre eine LP veröffentlicht - CDs gab's ja damals noch nicht - und immerhin einen Titel aus den siebziger Jahren wollen wir dann doch noch hören. Bitteschön:

    Musik 15
    Wer nicht verrückt wird der ist nicht normal - 2:12
    [Muster]

    Das konnte man damals in den siebzigern sagen - "Wer nicht verrückt wird ist nicht mehr normal" - und auch heute kann man eigentlich keinen anderen Schluß ziehen, wenn man in die Welt hinaus- oder hineinschaut.

    Danke, liebe Hildegard, für deine Lieder - und entschuldige, dass ich nichts über deine Filme und die Bücher und die vielen Auszeichnungen, z.B. den Marlene-Preis der Bühnenunterhaltung (1996) erzählt habe. Heute sollte es halt nur ein kleiner Teil der Knef'schen Lieder sein. Und damit sind wir dann am Ende.

  • O-TON Interview:
    [Wortlaut fehlt noch]

  • Zum Schluß noch ein Programmhinweis für's Fernsehen. Heute abend um halb 12 zeigt der ORF die Dokumentation des SPIEGEL TV-Autors Michael Kloft und des britischen Filmhistoriker Kevin Brownlow: "Der Tramp und der Diktator - Chaplins Abrechnung mit Hitler ".

    Chaplins Tochter Viktoria fand nach seinem Tod im Keller seiner Schweizer Villa einige halb verrostete Filmbüchsen. Nach Jahren erinnerte sie sich des Filmes und nun kann man einen Teil der Aufnahmen in der Dokumentation bewundern. Sydney Chaplin - Charlies Bruder - hatte 1939 die Dreharbeiten zum 'Großen Diktator' mit seiner 16mm-Amateurkamera begleitet - und zwar in Farbe. Zu sehen also heute nacht in 1 Stunden, um 23.30 Uhr im ORF 2: "Der Tramp und der Diktator".

    Und das wars schon wieder bei Liederliches & Kleinkunst wie jeden Sonntag abend auf der 92,4 bei LORA München. Im Kabel können Sie uns 96,75 empfangen und auch im Internet sind wir zu finden: www.liederliches.de, in unserem Archiv finden Sie Manuskripte unserer Sendungen zum durchstöbern.

    Musik 16 CD bei amazon.de
    Er geht mir rundum auf den Geist 1999 5:24
    CD "17 Millimeter", 5, Red Moon 3984-29736

    Heute ging es bei uns um Hildegard Knef, zum Schluß noch der Titel "Er geht mir rundum auf den Geist" aus dem Jahr 1999.

    Meine Name ist Michael Lucan, und wenn Sie nächsten Sonntag um 21.00 Uhr wieder diesen Sender einschalten erwartet Sie wieder Harald Bischoff mit einem ganz tollen Kleinkunst-Programm.