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    Dieter Hildebrandt, Autogrammkarte 80er Jahre

    Am letzten Donnerstag wurde Dieter Hildebrandt 75 Jahre alt. Wir gratulieren auf diesem Wege. "Satire sei der Glücksfall in der Kabarettarbeit", soll er einmal gesagt haben und - dass seine Erfolge nur Zufall waren.

    Wenn das so ist, dann hat er die glücklichen Zufälle gepachtet, wie kein anderer, der sich jemals in die Tiefen des - meistens - politischen Kabaretts in dieser Republik getraut hat.

    In einem Interview mit Sigrid Hardt von der Münchner Abendzeitung möchte er lieber als kultivierter Ackergaul gesehen werden, der halt gerne auf der Bühne steht und Vorführungen macht.

    Und wen er nicht alles vorgeführt hat: Konrad Adenauer - Willi Brandt - Kennedy - die 68- Bewegung, der Vietnamkrieg, der kalte Krieg, die sowjetische Besatzungszone, ami-go home und der Muff in den Talaren, damit ist er auf der politischen Bühne des Kabaretts groß und stark geworden. Der Bayerische Rundfunk hat einmal die Sendung "Scheibenwischer" live abgeschaltet, weil er den Papst beleidigt haben soll. Ob der tatsächlich beleidigt war, ist allerdings bis heute nicht geklärt. Soweit waren wir schon mal in Deutschland.

    Dieter Hildebrandt 1988 Jetzt ein Ausschnitt aus einem Programm von 1963 , in dem es um einen amerikanischen Präsidenten geht, der Berlin einen Besuch abstattet, um die IG-Metall , um die Bild-Zeitung, um die Schlesier und um den Axel Springer Verlag, der damals ein beliebtes Thema für Kabarettisten war.

    "Die Presse und der Präsident" heißt diese Aufnahme, ist 11 Minuten lang und immer noch - oder wieder aktuell: Kennedy war damals im gevier-teilten Berlin, die Mauer war noch frisch und die Parallelen zur JetztZeit sind da!

    Ob sich Dieter damals das womöglich nur geträumt hat?

    Herzlichen Glückwunsch, Dieter Hildebrandt.

    Am 8. Mai 1945 schwamm er westwärts durch die Elbe und eine Dekade später stand er bei der Münchner Lach- und SchießGesellschaft auf der Bühne, die kurz davor von Sammy Drechsel gegründet wurde.

    Dabei hat sein Vater nie verstanden, dass man für den Unsinn, den er fabrizierte auch noch bezahlt wurde. Die Kraft, diesen Unsinn zu produzieren nahm er aus der Einstellung, manisch optimistisch sein zu müssen, um diese Welt überhaupt zu ertragen in der z.B. Gutachter nicht käuflich sind, aber ihren Preis haben und Richter es sich richten. Somit ist und war seine Arbeit wohl geprägt von einem permanenten Erschrockensein, das sich über die Jahre fest etabliert hat.

    Hören Sie jetzt noch eine Nummer aus dem Programm "Krisenslalom" von 1966 und da geht es um die Bundeswehr, die damals gerade laufen gelernt hat. Auch hier wieder Parallelen zu heute, z.B. gleichmäßiger Bildungsstand, Bürgersein trotz Uniform, Frauen in die Bundeswehr

    Vor fünf Jahren, zu seinem 70. Geburtstag, kam sein Gedächtnis auf Rädern - übrigens das Schlusslicht seiner autobiographischen Trilogie, die in der Tradition von "Was bleibt mir übrig" und "Denkzettel" Einblicke in sein Leben und seine Arbeit gibt. 1966 ging es bei der Münchner Lach- und Schießgesellschaft unter anderem auch um die Frage, wer eigentlich die Kontrolleure kontrolliert? "Krisenslalom" hieß damals das Programm und Dieter Hildebrandt und Walter Kabel waren die Autoren .

    Dieter Hildebrandt soll einmal auf die Frage: Welche Rolle denn der Umweltgedanke in seiner Arbeit spielen würde, geantwortet haben: "Ich bin auf einem Bauernhof groß geworden. Mein Vater war ein Vertreter der Intensivlandwirtschaft. Schon sehr früh ist mir aufgefallen, dass die Hühner nach Fisch und die Fische nach Öl schmeckten. 1968 bin ich mit meinem ersten reinen Umweltprogramm auf Tour gegangen, und der Titel lautete: Wir werden uns schon schaffen".

    Ein paar Jahre davor - 1965 - entstand das Programm: "Kleiner machen Leute" Und daraus hören wir zum Abschluß einen Ausschnitt mit dem Titel: "Good Fight Boys" Und da geht es wieder um was aktuelles: Ob man denn nun gegen Vietnam oder gegen die Amerikaner sein sollte, darum ging es damals und heute sind deutsche Soldaten bei Friedenseinsätzen auf der ganzen Welt verteilt.

    Das wars schon wieder bei Liederliches & Kleinkunst wie jeden Sonntag abend auf der 92,4 bei LORA München. Im Kabel werden wir auf der 96,75 empfangen und im Internet kann man unter www.liederliches.de zum Beispiel im Archiv stöbern oder einen Sendemitschnitt per e-mail bestellen.

    Mit dabei war heute unser Geburtstagskind Dieter Hildebrandt und der Gitarrist Heinz Affolter, der jetzt auch im Hintergrund zu Gange ist. Meine Name ist Harald Bischoff und ich würde mich freuen, wenn ihr spätestens nächsten Sonntag um 21.00 Uhr diesen Sender wieder einschaltet.



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