Guten Abend! Liederliches und Kleinkunst, wie immer am Sonntagabend bei LORA München von 20 bis 21 Uhr. Und am Mikrofon heute Abend: Michael Lucan. Ja, heute live - wie so oft, heute nicht mit Harald Bischoff, heute mit einer Gruppe aus Landsberg am Lech - oder einem Duo - nämlich dem Duo Jes ok: Sybille Fischer und Armin Kammrad. Hallo!

Armin: Hallo!

Grüßt Euch. Ja, ähm, Ihr seid ein Duo, Ihr spielt Gitarre und Bass - E-Bass - ...

Armin: Ja.

.. und Ihr habt uns 'n paar Aufnahmen mtgebracht ...

Sybille: Richtig.

... und bevor wir jetzt weiter miteinander reden hör'n wir uns erstmal 'n Stück von Euch an.

Musik 1
Dirty Street 3:37 1996
MD 6

"Dirty Street" von Jes ok. Jes ok, das sind Armin Kammrad und Sybille Fischer. Und Ihr zwei sitzt hier bei mir im Studio. Wie nennt Ihr diese Art von Musik, die Ihr da macht? Die ist doch von Euch selber, oder?

Armin: Ja, die meisten Stücke sind von uns selber.

Was ist das für Musik? Ich meine: Bass und Gitarre. Gut, aber ...

Armin: Da haben wir uns noch nicht so den richtigen Namen einfallen lassen, so eine richtige Charakterisierung.

Naja, das muss ja auch nicht unbedingt sein, aber Ihr werdet doch irgendein Verhältnis zu der Musik haben. So: ist das Eure eigene Musik aus Eurem Herzen, oder ...

Armin: Ja, es ist sehr spontan. Wir machen manchmal auch deutsche Texte aber alles ist relativ spontan, auch die Inhalte, die Texte selber und auch die Musik.

Es ist also nicht mit so einem wahnsinnigen intellektuellen Hintergrund, das Ihr Euch hinsetzt und - äh -, na: Am Papier komponiert und die Texte ausfeilt? Sondern ...

Armin: Nein, nein. Keiner der Titel ist eigentlich so entstanden, sondern eigentlich mehr spontan uns eingefallen und denn haben wir 'rumprobiert und es gemacht.

Zum Beispiel in "Dirty Street". Kommt den da auch autobiografisches vor? Weil, es heißt zum Beispiel "I was born in a dirty street" und so, was der Text alles aussagt.

Armin: Ja, sicher. Also, die meisten Texte sind schon recht persönlich. Also, haben schon (den) Hintergrund von bestimmten Erlebnissen, die ich erlebt hab' oder die Bille oder wir beide ähnliche Erlebnisse haben. Auf einem fuffzigsten Geburtstag und daraufhin ... Es war eine frustige Geschichte für uns und wir haben dann dies in einem Song verarbeitet.

Mmh. Das ist der Song "50. Geburtstag", den wir eigentlich erst für später vorgesehen haben. Jetzt schau ich mal zum Hans, ob der das schafft, diesen Titel vielleicht schon mal als Nächsten vor zu sehen. "Der 50. Geburtstag", das ist Nr. 28.

Sybille, er sagt, dass ist etwas was Ihre beide erlebt habt und das Ihr beide dann in diesen Song, in dieses Lied hinein gebracht habt.

War das so etwas Schlimmes?

Sybille: Ja, es war also kein schönes Erlebnis, dieser Auftritt und wir haben uns danach ... waren wir ziemlich wütend auch irgendwie uns sauer und haben uns dann in 'ne Kneipe noch gesetzt und irgendwie haben wir uns dann gleich 'nen Text einfallen lassen über dieses Erlebnis.

Und dies entsprechend in die Musik umgesetzt. Schau'n wir mal, ob wir rein hören können? Ja.

Musik 2
Der 50. Geburtstag 4:38 1996
MD 28

"Der 50. Geburtstag". "Herzlichen Glückwunsch, du lebst ja immer noch!" oder "der Tod kommt" - oder so ähnlich - was hat's denn nun mit diesem Geburtstag auf sich? Ihr habt Euch vorhin so'n bisschen drum herum gewunden um dieses Thema, was da passiert war.

Armin: Mmj ja, herumgewunden ... Es ist halt, es war ein Geburtstag halt von Leuten die fünfzig waren, also fünfzig Jahre alt geworden sind. Ne Frau wurde fuffzig, oder er ist fünfzig oder schon fünfzig. Aber es war eigentlich von der Stimmung her so, dass es so'n irgendwie Abschluss war. Es war eigentlich so'ne Art Totenfeier und die Leute waren eigentlich sehr unbeweglich und - ja - manchmal auch 'n bissl fast feindlich oder so. Und das ist eben das im Lied hervor kommt. Ja, das ist einfach, dass die Leute eben meinen mit fuffzig Jahren sind se, haben se'n bestimmtes Alter erreicht und können sich jetzt irgendwie zurücklehnen. Und machen dann eben so'n Eindruck halt von Mumien und so. Mei, der Text ist schon sehr bös', das ist richtig. Ich meine, es ist Englisch und so. Aber nun gut - Englisch - da merkt man auch, dass sehr viele böse Teile drin sind, ne. Aber es ist schon berechtigt, empfinden wir's zumindest so.

Na gut, dann will ich nicht weiter nachbohren sondern jetzt einmal 'n bisschen von diesem Geburtstag weg führen. Fangen wir mal an mit Euern Anfängen - oder machen wir damit weiter. Wie seit Ihr zusammen gekommen? Ihr werdet ja nicht imme schon Musik zusammen gemacht haben.

Sybille: Nein, das ist richtig. Wir haben uns Ende Februar kennengelernt - der Armin hat ja schon in Kneipen mit Gitarre gespielt. Und ich war da auch einmal als Gast da, und wir sind ins Gespräch gekommen und haben gedacht, wir treffen uns mal und spielen zusammen, einfach so, probieren. Ja, und dann ging das ganz schnell das man das erste Stück gemacht haben, ganz spontan. Und ... - ja so kam das, dass wir dann zusammen gesagt haben, wir machen weiter Musik, weil's so gut anfing auch.

Mmh. Ihr kommt ja beide nicht aus München, sondern - wie ich gesagt hab' - Ihr seit aus Landsberg ...

Sybille: Und Igling, ja ...

Und Egling?

Sybille: Igling, mit I, ja.

Igling, das ist wahrscheinlich dann in der Nähe von ....

Sybille: Ja, das ist nicht weit weg, 'n paar Kilometer.

... von Landsberg. Und - äh - gut. Jetzt wollt' ich Euch schon fragen, wo war denn das, dass Ihr Euch da kennengelernt habt, aber das ist glaub' ich nicht so wichtig. Aber Ihr kommt eigentlich beide - Du kommst aus Igling selber auch oder?

Sybille: Ja, ich wohn' da 'n halbes Jahr schon.

Und vorher?

Sybille: In Greifenberg am Ammersee.

Und von da ... Naja, ich wollt' jetzt eigentlich nur darauf hinaus, wo Ihr eigentlich her kommt. Du bist vielleicht eine Bayerin, das kann schon sein ...

Sybille: Ja ...

... aber der Armin bestimmt nicht.

Armin: Mmh, ja, wenn ich es recht überlege bin ich kein Bayer, ich komme aus Berlin, also ich bin geboren in Berlin. Aber ich bin schon ziemlich lange in Bayern.

Gut. Wie kommt's denn zu Euerm Namen? Habt's Ihr Euch da gleich gesagt: Ja, gut - wir spielen zusammen, heiss'ma Jes ok, oder wie war das?

Sybille: Nein, wir hatten eigentlich schon 'n paar Stücke gemacht und dann beim ersten Stück kam das eben vor, dass die Antwort auf eine Frage hieß "Yes ok" und der Armin sang dann immerhals "Jes ok" und daraufhin lag das irgendwie ganz gut um Munde und hamma des gewählt als Gruppenname.

Dann heißt Ihr auch garnicht "Yes ok" sondern ...

Sybille: "Jes ok", aber mit J geschrieben.

"Jes ok". Und, gibt's noch irgend 'n Lied, wo das dokumentiert ist, dieses - äh - "Yes ok" ?

Sybille: Ja in dem ersten Stück, wo wir zusammen g'macht haben, das ist "Crazy Night".

Musik 3
Crazy Night 3:35 1996
MD 9

"Crazy Nights" von Jes ok. Ja Jes ok wie ich schon mehrfach gesagt hab' sind Achim Kammrad und Sybille - oder besser gesagt: Bille - Fischer.

Armin: Armin Kammraf

Was hab' ich gesagt?

Armin: Achim

Entschuldigung - Entschuldigung. Ja, "Crazy Nights" - was ist der Hintergrund für so'n Lied?

Armin: Ja, das war das allererste Lied. Und das entstand also: wahnsinnig spontan. Der Text ist einfach - irgendwie - einfach nur verrückt. Es handelt eigentlich von'm Typen, der in 'ne Bar geht - The Redlight Bar, halt Puff - da eine fette Frau trifft. Ja, der er seine Lebensgeschichte erzählt worauf sie dann den Tränen nahe ist, wein auch. Und dann, ja, dann nimmt er sie irgendwann mit nach Hause, sucht den Lichtschalter und in dem Moment spürt er einen Biss in seinem Nacken und dann heißt es in der letzten Strophe halt, in der letzten Zeile: Von dieser Dunkelheit kam er eigentlich dann niemals wieder. Und damit endet dieses Lied. Deswegen auch dieser Schrei am Schluß, nicht.

Also, das Stück ist nicht so ernst gemeint, sondern irgendwie etwas mehr - ja - vielleicht "surrealistisch", ja. Jetzt muss man sich selber ausdenken was wohl mit dem armen Menschen passier ist, dass er schreien muss.

Sybille: Ja, genau.

Ja, Ihr habt vorhin gesagt, Eure Lieder entstehen "spontan". Also, Ihr setzt Euch zusammen, habt irgendwas im Kopf vielleicht, oder auch ... nichts konkretes vielleicht und ... und fangt mit der Musik an. Das heißt: Ihr spielt einfach?

Armin: Mmmja, viele Sachen laufen so halt, dass zum Beispiel Bille halt 'nen Bass- ... äh ... Lauf macht, oder irgend 'n Bass-Thema, ich mir dann 'n paar Harmonien dazu überlege, irgendwie einen Text so grob, der sich auch dann aus der Musik 'raus entwickelt. Und den Text machen wir dann halt später genauer. So, und dann machen wir die Musik wieder 'n bisschen genauer. Also, es ist tatsächlich 'ne Art von Zusammenarbeit, wo Text und Musik eigentlich nicht getrennt ist. Also, bei uns gibt es niemanden der die Musik macht und jemand der den Text macht oder so. Hauptsächlich den Text oder hauptsächlich die Musik macht, sondern wir machen das meiste halt zusammen. Nicht immer, manchmal sind auch Vorgaben so da von irgend..., aber die meisten Sachen entstehen eigentlich so in dieser Form.

Wie lange .. Nein, nicht wie lange, das ist Schmarrn. Ihr macht ja sicherlich auch andere Sachen als Musik, aber dazu möchte' ich gleich - erst später - kommen. Andere Frage: Wie lange macht Ihr jetzt eigentlich schon Musik selber. Ich meine, jeder Einzelne von Euch, z.B. Sybille, wann hast Du angefangen, Musik zu machen?

Sybille: Also, ich hab' erst vor guten zwei Jahren angefangen, überhaupt mit Instrument zu spielen.

Gleich mit dem Bass?

Sybille: Nein, erst mit Gitarre ... Ja und dann hat sich das so ergeben, dass ich eben Bass spiel, weil ich noch mit andern Leuten zusammen spiel, die schon genug Gitarristen hatten, so dass ich dann einfach anfing, mir 'n Bass zu leihen und - halt, damit ich damit spielen kann.

Aber jetzt hast Du schon 'nen eigenen?

Sybille: Ja, natürlich. Wir haben noch ein zweites Lied, das heißt: Ich hab' das ausgesucht: "A Letter For You", das jetzt gleich als nächstes kommen soll. Gibt's dazu irgendwas zu der Entstehungsgeschichte zu sagen, oder zum Inhalt des Liedes.

Armin: Ja, dies Lied ist eigentlich so typisch, dass es so entstanden ist, wie ich das grad beschrieben hab'. Da war eigentlich unser zweites Lied, was wir gemacht haben. Und es basiert auf einem Basslauf, der eigentlich so immer wieder sich wiederholt. Und dazu fiel mir denn eigentlich so ... ja so'n zerhacktes Singen ein und ein so etwas sehr mysteriöser Text. Und ich - es ist eigentlich wirklich so entstanden - hat so etwas afrikanischen Touch, 'n leichten, und darüber waren wir eigentlich selber überrascht. Also, es war nicht so beabsichtigt, es kam dann einfach so.

Na, dann hör'n wir mal rein in das Lied "A Letter For You":

Musik 4
A Letter For You 3:53 1996
MD 21

Ja, "A Letter For You", "Crazy Night", "50th Birthday" und so weiter und so weiter, das waren alles englische Titel und da drängt sich ja mir doch die Frage auf: Warum macht Ihr Eure Texte in Englisch?

Armin: Ja, ist nicht so einfach zu beantworten weil, also: Es ist 'ne Frage, die oft wird. Also, ja relativ oft gestellt wird. Ich hab' selber eigentlich früher vertreten dass man mehr eigentlich deutsche Texte machen soll. Aber ... ja, und erleb' auch häufig, dass in Deutschland Leute - nicht - sagen: Warum macht Ihre keinen deutschen Texte. Es ist aber nun wirklich so, dass man im Englischen manche Sachen anders sagen kann. Also auch so was das Lautmalerische betrifft, ja? Das ist einfach irgendwie leichter. Man kann anders mit der Sprache umgehen. Das ist ein Grund. Der andere Grund liegt eigentlich viel woanders. Ich hab' früher mal so 'ne Zeit lang in Irland halt 'n bisschen 'rumgetingelt und Musik gemacht und hab' eigentlich gemerkt, dass - und da hab' ich viele deutschel Lieder halt gesungen - dass die Iren sehr interessiert waren. Also, die haben nix verstanden, aber die haben trotzdem ganz genau zugehört. Und das hat mir irgendwie imponiert. Ich hab gesagt: Die machen das und die Deutschen setzen sich oft hin und sagen: Ach, ich versteh' nix, das ist Englisch und so. Sing doch lieber Deutsch oder so, ne? Also, es geht auch 'n bissl eigentlich - bei mir zumindest, oder so - gegen diese deutsche Überheblichkeit. Also: was ich nicht verstehe, das brauch ich auch nicht zu kennen.

Naja, ich würd's vielleicht nicht Überheblichkeit nennen. Vielleicht, wenn man sagt: "Ich brauch's nicht zu kennen!". Aber wenn jemand wirklich nicht Englisch versteht, dann kann er ja nur die Musik genießen. Vielleicht ist das in manchen Fällen ganz gut, wenn er den Text nicht versteht ...

Armin: Ja, eben. Ja.

... weil er vielleicht dann irgendwie ...

Armin: Das ist auch richtig. Aber wir machen auch deutsche Texte, natürlich auch. Also wir haben auch in unser'm Programm auch deutsche Sachen, auch selber deutsche Sachen gemacht, und übernehmen auch von Anderen deutsche Texte. Also, wir haben durchaus auch deutsche Sachen dabei.

Ja, ich weiß das natürlich und deswegen haben wir auch schon 'n Titel vorbereitet. Aber ich wollte noch vorher zu Eurem Englisch-Singen noch was fragen. Ihr hab't ja, ich meine: G'rad du hast nun nicht die typisch englische Aussprache, Armin ...

Armin: Welche ist das?

... Man merkt schon, dass du 'n Deutscher bist, wenn man das hört, denk' ich. Ist das nicht auch 'n Grund, warum man dann eher sagen würde: Ach, ich kann zwar gut Englisch, aber ich sing' lieber Deutsch, weil das meine eigene Sprache ist, weil die Leute mich besser versteh'n und ... und so?

Armin: Mmj, ja, ich kann ja nicht gut Deutsch, äh, nicht gut Englisch. Ich hab' ja eben "yes" falsch ausgesprochen. Dadurch ist ja der Name denn entstanden.

Das hat ja nichts mit der Aussprache zu tun, ob man Englisch gut kann, alle haben ja 'nen Akzent. Aber ich will jetzt nicht da lange bohren, sondern ich dachte, wenn du schon - ich meine, du hast gesagt, du warst in Irland, du bist durch Irland getingelt, dann musst du ja auch 'ne gewisse Praxis in der Sprache erworben haben, weil du ja dann auch dich mit den Leute verständigen hast müssen ...

Armin: Ja, aber es gibt halt verschiedene Formen von Englisch ja sowieso. Also es gibt halt dieses Pidgin-English, als was eben "de" sagt. Also, was besonders von den französisch beeinflussten Bereichen dann das Englisch irgendwie ist, was ja nicht typisch ist. Also, wenn man Jamaika irgendwie hört oder von anderen Bereichen, dann gibt es halt irgendwie ... Also, (die) Iren machen sich über das amerikanische Englisch ja auch lustig, also empfinden das auch nicht als so eigentlich typisches Englisch. Das steife Englisch in England selber - die Iren haben also 'ne ... eine große Sprachmelodie, was man auch an der Literatur halt sieht, und so - dass die eigentlich die entwickeltste Form - meines Gefühls nach - für Englisch haben. Es gibt also - wie gesagt - selbst bei den englisch sprachigen Nationen natürlich große Unterschiede in der Aussprache oder so.

Das ist klar. Gut, dann hören wir uns jetzt erstmal den deutschsprachigen Titel an. Allerdings ist der nicht von Euch selber, sondern von Georg Danzer, oder?

Armin: Ja, der ist von Georg Danzer.

Musik 5
Freiheit (Danzer) 3:10 1996
MD 11
Musik 6
The Mirror 4:12 1996
MD 15

Heute verantwortlich und am Mikrofon: Michael Lucan