Guten Abend! Liederliches und Kleinkunst, wie immer am Sonntagabend bei LORA München von 20 bis 21 Uhr. Und am Mikrofon heute Abend: Michael Lucan. Ja, heute live - wie so oft, heute nicht mit Harald Bischoff, heute mit einer Gruppe aus Landsberg am Lech - oder einem Duo - nämlich dem Duo Jes ok: Sybille Fischer und Armin Kammrad. Hallo!

Armin: Hallo!

Grüßt Euch. Ja, ähm, Ihr seid ein Duo, Ihr spielt Gitarre und Bass - E-Bass - ...

Armin: Ja.

.. und Ihr habt uns 'n paar Aufnahmen mtgebracht ...

Sybille: Richtig.

... und bevor wir jetzt weiter miteinander reden hör'n wir uns erstmal 'n Stück von Euch an.

Musik 1
Dirty Street 3:37 1996
MD 6

"Dirty Street" von Jes ok. Jes ok, das sind Armin Kammrad und Sybille Fischer. Und Ihr zwei sitzt hier bei mir im Studio. Wie nennt Ihr diese Art von Musik, die Ihr da macht? Die ist doch von Euch selber, oder?

Armin: Ja, die meisten Stücke sind von uns selber.

Was ist das für Musik? Ich meine: Bass und Gitarre. Gut, aber ...

Armin: Da haben wir uns noch nicht so den richtigen Namen einfallen lassen, so eine richtige Charakterisierung.

Naja, das muss ja auch nicht unbedingt sein, aber Ihr werdet doch irgendein Verhältnis zu der Musik haben. So: ist das Eure eigene Musik aus Eurem Herzen, oder ...

Armin: Ja, es ist sehr spontan. Wir machen manchmal auch deutsche Texte aber alles ist relativ spontan, auch die Inhalte, die Texte selber und auch die Musik.

Es ist also nicht mit so einem wahnsinnigen intellektuellen Hintergrund, das Ihr Euch hinsetzt und - äh -, na: Am Papier komponiert und die Texte ausfeilt? Sondern ...

Armin: Nein, nein. Keiner der Titel ist eigentlich so entstanden, sondern eigentlich mehr spontan uns eingefallen und denn haben wir 'rumprobiert und es gemacht.

Zum Beispiel in "Dirty Street". Kommt den da auch autobiografisches vor? Weil, es heißt zum Beispiel "I was born in a dirty street" und so, was der Text alles aussagt.

Armin: Ja, sicher. Also, die meisten Texte sind schon recht persönlich. Also, haben schon (den) Hintergrund von bestimmten Erlebnissen, die ich erlebt hab' oder die Bille oder wir beide ähnliche Erlebnisse haben. Auf einem fuffzigsten Geburtstag und daraufhin ... Es war eine frustige Geschichte für uns und wir haben dann dies in einem Song verarbeitet.

Mmh. Das ist der Song "50. Geburtstag", den wir eigentlich erst für später vorgesehen haben. Jetzt schau ich mal zum Hans, ob der das schafft, diesen Titel vielleicht schon mal als Nächsten vor zu sehen. "Der 50. Geburtstag", das ist Nr. 28.

Sybille, er sagt, dass ist etwas was Ihre beide erlebt habt und das Ihr beide dann in diesen Song, in dieses Lied hinein gebracht habt.

War das so etwas Schlimmes?

Sybille: Ja, es war also kein schönes Erlebnis, dieser Auftritt und wir haben uns danach ... waren wir ziemlich wütend auch irgendwie uns sauer und haben uns dann in 'ne Kneipe noch gesetzt und irgendwie haben wir uns dann gleich 'nen Text einfallen lassen über dieses Erlebnis.

Und dies entsprechend in die Musik umgesetzt. Schau'n wir mal, ob wir rein hören können? Ja.

Musik 2
Der 50. Geburtstag 4:38 1996
MD 28

"Der 50. Geburtstag". "Herzlichen Glückwunsch, du lebst ja immer noch!" oder "der Tod kommt" - oder so ähnlich - was hat's denn nun mit diesem Geburtstag auf sich? Ihr habt Euch vorhin so'n bisschen drum herum gewunden um dieses Thema, was da passiert war.

Armin: Mmj ja, herumgewunden ... Es ist halt, es war ein Geburtstag halt von Leuten die fünfzig waren, also fünfzig Jahre alt geworden sind. Ne Frau wurde fuffzig, oder er ist fünfzig oder schon fünfzig. Aber es war eigentlich von der Stimmung her so, dass es so'n irgendwie Abschluss war. Es war eigentlich so'ne Art Totenfeier und die Leute waren eigentlich sehr unbeweglich und - ja - manchmal auch 'n bissl fast feindlich oder so. Und das ist eben das im Lied hervor kommt. Ja, das ist einfach, dass die Leute eben meinen mit fuffzig Jahren sind se, haben se'n bestimmtes Alter erreicht und können sich jetzt irgendwie zurücklehnen. Und machen dann eben so'n Eindruck halt von Mumien und so. Mei, der Text ist schon sehr bös', das ist richtig. Ich meine, es ist Englisch und so. Aber nun gut - Englisch - da merkt man auch, dass sehr viele böse Teile drin sind, ne. Aber es ist schon berechtigt, empfinden wir's zumindest so.

Na gut, dann will ich nicht weiter nachbohren sondern jetzt einmal 'n bisschen von diesem Geburtstag weg führen. Fangen wir mal an mit Euern Anfängen - oder machen wir damit weiter. Wie seit Ihr zusammen gekommen? Ihr werdet ja nicht imme schon Musik zusammen gemacht haben.

Sybille: Nein, das ist richtig. Wir haben uns Ende Februar kennengelernt - der Armin hat ja schon in Kneipen mit Gitarre gespielt. Und ich war da auch einmal als Gast da, und wir sind ins Gespräch gekommen und haben gedacht, wir treffen uns mal und spielen zusammen, einfach so, probieren. Ja, und dann ging das ganz schnell das man das erste Stück gemacht haben, ganz spontan. Und ... - ja so kam das, dass wir dann zusammen gesagt haben, wir machen weiter Musik, weil's so gut anfing auch.

Mmh. Ihr kommt ja beide nicht aus München, sondern - wie ich gesagt hab' - Ihr seit aus Landsberg ...

Sybille: Und Igling, ja ...

Und Egling?

Sybille: Igling, mit I, ja.

Igling, das ist wahrscheinlich dann in der Nähe von ....

Sybille: Ja, das ist nicht weit weg, 'n paar Kilometer.

... von Landsberg. Und - äh - gut. Jetzt wollt' ich Euch schon fragen, wo war denn das, dass Ihr Euch da kennengelernt habt, aber das ist glaub' ich nicht so wichtig. Aber Ihr kommt eigentlich beide - Du kommst aus Igling selber auch oder?

Sybille: Ja, ich wohn' da 'n halbes Jahr schon.

Und vorher?

Sybille: In Greifenberg am Ammersee.

Und von da ... Naja, ich wollt' jetzt eigentlich nur darauf hinaus, wo Ihr eigentlich her kommt. Du bist vielleicht eine Bayerin, das kann schon sein ...

Sybille: Ja ...

... aber der Armin bestimmt nicht.

Armin: Mmh, ja, wenn ich es recht überlege bin ich kein Bayer, ich komme aus Berlin, also ich bin geboren in Berlin. Aber ich bin schon ziemlich lange in Bayern.

Gut. Wie kommt's denn zu Euerm Namen? Habt's Ihr Euch da gleich gesagt: Ja, gut - wir spielen zusammen, heiss'ma Jes ok, oder wie war das?

Sybille: Nein, wir hatten eigentlich schon 'n paar Stücke gemacht und dann beim ersten Stück kam das eben vor, dass die Antwort auf eine Frage hieß "Yes ok" und der Armin sang dann immerhals "Jes ok" und daraufhin lag das irgendwie ganz gut um Munde und hamma des gewählt als Gruppenname.

Dann heißt Ihr auch garnicht "Yes ok" sondern ...

Sybille: "Jes ok", aber mit J geschrieben.

"Jes ok". Und, gibt's noch irgend 'n Lied, wo das dokumentiert ist, dieses - äh - "Yes ok" ?

Sybille: Ja in dem ersten Stück, wo wir zusammen g'macht haben, das ist "Crazy Night".

Musik 3
Crazy Night 3:35 1996
MD 9

"Crazy Nights" von Jes ok. Ja Jes ok wie ich schon mehrfach gesagt hab' sind Achim Kammrad und Sybille - oder besser gesagt: Bille - Fischer.

Armin: Armin Kammraf

Was hab' ich gesagt?

Armin: Achim

Entschuldigung - Entschuldigung. Ja, "Crazy Nights" - was ist der Hintergrund für so'n Lied?

Armin: Ja, das war das allererste Lied. Und das entstand also: wahnsinnig spontan. Der Text ist einfach - irgendwie - einfach nur verrückt. Es handelt eigentlich von'm Typen, der in 'ne Bar geht - The Redlight Bar, halt Puff - da eine fette Frau trifft. Ja, der er seine Lebensgeschichte erzählt worauf sie dann den Tränen nahe ist, wein auch. Und dann, ja, dann nimmt er sie irgendwann mit nach Hause, sucht den Lichtschalter und in dem Moment spürt er einen Biss in seinem Nacken und dann heißt es in der letzten Strophe halt, in der letzten Zeile: Von dieser Dunkelheit kam er eigentlich dann niemals wieder. Und damit endet dieses Lied. Deswegen auch dieser Schrei am Schluß, nicht.

Also, das Stück ist nicht so ernst gemeint, sondern irgendwie etwas mehr - ja - vielleicht "surrealistisch", ja. Jetzt muss man sich selber ausdenken was wohl mit dem armen Menschen passier ist, dass er schreien muss.

Sybille: Ja, genau.

Ja, Ihr habt vorhin gesagt, Eure Lieder entstehen "spontan". Also, Ihr setzt Euch zusammen, habt irgendwas im Kopf vielleicht, oder auch ... nichts konkretes vielleicht und ... und fangt mit der Musik an. Das heißt: Ihr spielt einfach?

Armin: Mmmja, viele Sachen laufen so halt, dass zum Beispiel Bille halt 'nen Bass- ... äh ... Lauf macht, oder irgend 'n Bass-Thema, ich mir dann 'n paar Harmonien dazu überlege, irgendwie einen Text so grob, der sich auch dann aus der Musik 'raus entwickelt. Und den Text machen wir dann halt später genauer. So, und dann machen wir die Musik wieder 'n bisschen genauer. Also, es ist tatsächlich 'ne Art von Zusammenarbeit, wo Text und Musik eigentlich nicht getrennt ist. Also, bei uns gibt es niemanden der die Musik macht und jemand der den Text macht oder so. Hauptsächlich den Text oder hauptsächlich die Musik macht, sondern wir machen das meiste halt zusammen. Nicht immer, manchmal sind auch Vorgaben so da von irgend..., aber die meisten Sachen entstehen eigentlich so in dieser Form.

Wie lange .. Nein, nicht wie lange, das ist Schmarrn. Ihr macht ja sicherlich auch andere Sachen als Musik, aber dazu möchte' ich gleich - erst später - kommen. Andere Frage: Wie lange macht Ihr jetzt eigentlich schon Musik selber. Ich meine, jeder Einzelne von Euch, z.B. Sybille, wann hast Du angefangen, Musik zu machen?

Sybille: Also, ich hab' erst vor guten zwei Jahren angefangen, überhaupt mit Instrument zu spielen.

Gleich mit dem Bass?

Sybille: Nein, erst mit Gitarre ... Ja und dann hat sich das so ergeben, dass ich eben Bass spiel, weil ich noch mit andern Leuten zusammen spiel, die schon genug Gitarristen hatten, so dass ich dann einfach anfing, mir 'n Bass zu leihen und - halt, damit ich damit spielen kann.

Aber jetzt hast Du schon 'nen eigenen?

Sybille: Ja, natürlich. Wir haben noch ein zweites Lied, das heißt: Ich hab' das ausgesucht: "A Letter For You", das jetzt gleich als nächstes kommen soll. Gibt's dazu irgendwas zu der Entstehungsgeschichte zu sagen, oder zum Inhalt des Liedes.

Armin: Ja, dies Lied ist eigentlich so typisch, dass es so entstanden ist, wie ich das grad beschrieben hab'. Da war eigentlich unser zweites Lied, was wir gemacht haben. Und es basiert auf einem Basslauf, der eigentlich so immer wieder sich wiederholt. Und dazu fiel mir denn eigentlich so ... ja so'n zerhacktes Singen ein und ein so etwas sehr mysteriöser Text. Und ich - es ist eigentlich wirklich so entstanden - hat so etwas afrikanischen Touch, 'n leichten, und darüber waren wir eigentlich selber überrascht. Also, es war nicht so beabsichtigt, es kam dann einfach so.

Na, dann hör'n wir mal rein in das Lied "A Letter For You":

Musik 4
A Letter For You 3:53 1996
MD 21

Ja, "A Letter For You", "Crazy Night", "50th Birthday" und so weiter und so weiter, das waren alles englische Titel und da drängt sich ja mir doch die Frage auf: Warum macht Ihr Eure Texte in Englisch?

Armin: Ja, ist nicht so einfach zu beantworten weil, also: Es ist 'ne Frage, die oft wird. Also, ja relativ oft gestellt wird. Ich hab' selber eigentlich früher vertreten dass man mehr eigentlich deutsche Texte machen soll. Aber ... ja, und erleb' auch häufig, dass in Deutschland Leute - nicht - sagen: Warum macht Ihre keinen deutschen Texte. Es ist aber nun wirklich so, dass man im Englischen manche Sachen anders sagen kann. Also auch so was das Lautmalerische betrifft, ja? Das ist einfach irgendwie leichter. Man kann anders mit der Sprache umgehen. Das ist ein Grund. Der andere Grund liegt eigentlich viel woanders. Ich hab' früher mal so 'ne Zeit lang in Irland halt 'n bisschen 'rumgetingelt und Musik gemacht und hab' eigentlich gemerkt, dass - und da hab' ich viele deutschel Lieder halt gesungen - dass die Iren sehr interessiert waren. Also, die haben nix verstanden, aber die haben trotzdem ganz genau zugehört. Und das hat mir irgendwie imponiert. Ich hab gesagt: Die machen das und die Deutschen setzen sich oft hin und sagen: Ach, ich versteh' nix, das ist Englisch und so. Sing doch lieber Deutsch oder so, ne? Also, es geht auch 'n bissl eigentlich - bei mir zumindest, oder so - gegen diese deutsche Überheblichkeit. Also: was ich nicht verstehe, das brauch ich auch nicht zu kennen.

Naja, ich würd's vielleicht nicht Überheblichkeit nennen. Vielleicht, wenn man sagt: "Ich brauch's nicht zu kennen!". Aber wenn jemand wirklich nicht Englisch versteht, dann kann er ja nur die Musik genießen. Vielleicht ist das in manchen Fällen ganz gut, wenn er den Text nicht versteht ...

Armin: Ja, eben. Ja.

... weil er vielleicht dann irgendwie ...

Armin: Das ist auch richtig. Aber wir machen auch deutsche Texte, natürlich auch. Also wir haben auch in unser'm Programm auch deutsche Sachen, auch selber deutsche Sachen gemacht, und übernehmen auch von Anderen deutsche Texte. Also, wir haben durchaus auch deutsche Sachen dabei.

Ja, ich weiß das natürlich und deswegen haben wir auch schon 'n Titel vorbereitet. Aber ich wollte noch vorher zu Eurem Englisch-Singen noch was fragen. Ihr hab't ja, ich meine: G'rad du hast nun nicht die typisch englische Aussprache, Armin ...

Armin: Welche ist das?

... Man merkt schon, dass du 'n Deutscher bist, wenn man das hört, denk' ich. Ist das nicht auch 'n Grund, warum man dann eher sagen würde: Ach, ich kann zwar gut Englisch, aber ich sing' lieber Deutsch, weil das meine eigene Sprache ist, weil die Leute mich besser versteh'n und ... und so?

Armin: Mmj, ja, ich kann ja nicht gut Deutsch, äh, nicht gut Englisch. Ich hab' ja eben "yes" falsch ausgesprochen. Dadurch ist ja der Name denn entstanden.

Das hat ja nichts mit der Aussprache zu tun, ob man Englisch gut kann, alle haben ja 'nen Akzent. Aber ich will jetzt nicht da lange bohren, sondern ich dachte, wenn du schon - ich meine, du hast gesagt, du warst in Irland, du bist durch Irland getingelt, dann musst du ja auch 'ne gewisse Praxis in der Sprache erworben haben, weil du ja dann auch dich mit den Leute verständigen hast müssen ...

Armin: Ja, aber es gibt halt verschiedene Formen von Englisch ja sowieso. Also es gibt halt dieses Pidgin-English, als was eben "de" sagt. Also, was besonders von den französisch beeinflussten Bereichen dann das Englisch irgendwie ist, was ja nicht typisch ist. Also, wenn man Jamaika irgendwie hört oder von anderen Bereichen, dann gibt es halt irgendwie ... Also, (die) Iren machen sich über das amerikanische Englisch ja auch lustig, also empfinden das auch nicht als so eigentlich typisches Englisch. Das steife Englisch in England selber - die Iren haben also 'ne ... eine große Sprachmelodie, was man auch an der Literatur halt sieht, und so - dass die eigentlich die entwickeltste Form - meines Gefühls nach - für Englisch haben. Es gibt also - wie gesagt - selbst bei den englisch sprachigen Nationen natürlich große Unterschiede in der Aussprache oder so.

Das ist klar. Gut, dann hören wir uns jetzt erstmal den deutschsprachigen Titel an. Allerdings ist der nicht von Euch selber, sondern von Georg Danzer, oder?

Armin: Ja, der ist von Georg Danzer.

Musik 5
Freiheit (Danzer) 3:10 1996
MD 11
Musik 6
The Mirror 4:12 1996
MD 15

  • Jingle: LORA-FANS BAND 0:24

    Ja - LORA München mit der Sendung "Liederliches und Kleinkunst". Heute abend hier im Studio das Duo Jes ok aus Landsberg am Lech: Armin Kammrad und Bille Fischer. Ja, Ihr macht Eure Musik ja nicht, um davon zu leben oder anders'rum gesagt: Ihr lebt nicht von der Musik, die Ihr macht, schätz' ich mal?

    Sybille: Nein

    Harald Bischoff fragt seine Studiogäste an dieser Stelle immer, ob es da einen reichen Onkel aus Amerika gibt, der die Musik finanziert. Ich nehme mal an, dass das bei Euch wie eigentlich bei allen, die vorher hier saßen, nicht der Fall ist sondern dass Ihr nebenbei noch was anderes macht.

    Sybille: Ja, also ich arbeite noch Teilzeit im Büro und - ja - nebenher natürlich Musik.

    Das ist also das wichtigste? - Äh, es ist nicht das wichtigste, wenn Du sagst "nebenher" die Musik?

    Sybille: Nein, eigentlich ist die Musik mir persönlich schon sehr wichtig. Natürlich muss ich meinen Lebensunterhalt noch anderweitig mit den Büroarbeiten verdienen.

    Armin, was machst Du?

    Armin: Neben der Musik?

    Ja.

    Armin: Also zum Einen geb' ich also auch Gitarrenunterricht. Ich hab' früher mal als Programmierer gearbeitet, aber das eigentlich schon länger nicht mehr. Ja, und dann arbeite ich natürlich - äh - viele Gelegenheitsjobs. Also ich arbeit' zur Zeit jetzt in 'ner Fabrik, in der Schicht. Und so, einfach um überleben zu können. Natürlich, die Musik bringt manchmal schon ..., Auftritte bringen schon 'n bissl Geld, oder so. Aber nicht, natürlich nicht viel. Abers entscheidende ist wohl eigentlich - da hat die Bille halt völlig Recht -, dass man die Musik irgendwie schon zur Hauptsache machen muss, irgendwie. Also, mei - man muss schon wirklich irgendwie dahinter steh'n und sich auch 'n bissl - vielleicht - durchsetzen wollen, oder so. Und ... kannste nicht nur nebenbei machen, so.

    Habt Ihr vor, irgendwie Eure Musik ...., na - Ihr spielt jetzt erst seit Februar zusammen, gut. Aber habt Ihr vor, die Musik 'n bisschen wichtiger werden zu lassen, also irgendwie professioneller zu werden, sag ich mal ganz grob? Bille, zum Beispiel. Oder ist das jenseits all dessen, was Du Dir so vorstellst?

    Sybille: Nein, natürlich, wenn ma jetzt weiter zusammen spielen - wir wollen mehr Auftritte hab'n - und natürlich, dass die Musik auch vielen Leuten bekannt wird auch. Natürlich hoffe ich, dass es irgendwie mehr wird mit der Musik.

    Ihr habt jetzt beide gesagt, ihr wollt jetzt mehr Auftritte haben, dass heißt also - Ihr macht ja schon gelegentlich oder öfter Auftritte ... seid Ihr auch manchmal in München?

    Armin: Wir haben in München auch Auftritte gehabt, ja. Aber keine festen jetzt, dass wir regelmäßig hier in München spielen, aber wir haben Auftritte auch in München gehabt.

    Wo war denn das zum Beispiel?

    Armin: Mei, wo war's? Einmal war's in einem Weinlokal. Einmal bei der Kirche haben wir gespielt.

    Also jetzt nicht irgendwie in den mehr oder weniger bekannten Lokalitäten - ich möchte' jetzt keinen mit dem Namen nennen - sondern eher, sag' ich jetzt mal, in alternativen Veranstaltungsorten, oder wie ist das?

    Armin: Ja, wie gesagt, Du hast schon das Entscheidende eigentlich gesagt, dass wir uns ja erst praktisch ... wir machen das seit Februar. Wir haben jetzt praktisch zusammen zwölf eigene Titel alleine und wir machen dabei auch verschiedene - wie das von Georg Danzer - oder auch andere Sachen halt, wo wir auch so eigene Versionen gemacht haben. Und wir fangen ja praktisch damit erst an.
    Also, wir haben jetzt in Österreich da - und das war eigentlich schon recht gut - da immer gespielt, noch Kontakte halt geknüpft. Und deswegen muss man halt sehen, wie sich's entwickelt. Das hängt natürlich jetzt nicht nur allein von uns ab, wir können natürlich auch nur versuchen, immer besser zu werden. Aber es hängt natürlich auch von der Situation ab, ob solche Musik ankommt, ob's gefällt.
    Ich sag: Manche Sachen sind auch vielleicht bei uns 'n bissl ... Ja, irgendwie: ne kritische Haltung ist auch durchspürbar. Ja, und wie man da umgeht und auch mit der, so Liedformen. Also, das sind alles Sachen halt, die nicht allein von uns jetzt abhängen.
    Ob meine Stimme ... - meine Stimme ist zum Beispiel ziemlich rauh. Ich meine: Bille singt ja auch - kommt später auch noch mal 'n Song, soviel ich weiss - aber, das ist auch so 'ne Geschichte. Ich meine, das ist - ich hab' mal von 'ner Amerikanerin bezüglich Englisch - gerade von 'ner Amerikanerin - das Lob gekriegt, dass mein Englisch so interessant wär, weil's so dauernd kippt. Also, die Deutschen haben meistens Probleme, aber das ist also irgendwie witzig. Aber, also wie gesagt, das hängt nicht von uns ab. Wir können uns nur anstrengen und wir wollen natürlich das Maximum erreichen. Aber nicht nach dem Sinne halt, jetzt unbedingt eigentlich so - also für mich - irgendwie "Berühmtheit" zu werden, oder so. Das ist garnicht so meine Intention. Sondern irgendwie schon - ja - bissl andere ... also nicht so rein nur Konsum zu machen, unplugged zu machen. Oder irgenwie 'n bisschen ehrliche Musik halt zu machen. Oder bestimmte Themen halt rüber zu bringen. Wie eben mit dem "Mirror" halt zum Beispiel auch halt irgendwie mal so Balladenformen.

    Gut, Du hast das jetzt angesprochen, die meisten Lieder die wir bisher ..., da hast Du gesungen. Im "fünfzigsten Geburtstag", Bille, hast Du auch 'n bisschen mit gesungen und am Anfang was gesagt. Du hast Recht, Armin, ich hab' ein Lied hier, wo Du singst, Bille. Wieso singst Du nur dieses eine Lied?

    Sybille: Das ist jetzt ein ganz aktueller Titel und vorher hatte ich eigentlich nie gesungen und hab' das auch eigentlich gar nicht so in Erwägung gezogen, dass ich überhaupt was singe.

    Mmh. Ist das jetzt bei dem Lied auch so, dass das von beiden von Euch spontan entstanden ist oder ist dann ... Ich hatte jetzt im ersten Moment gedacht - bevor ich das von Euch gehört hab', dass Ihr das alles so gemeinsam und spontan macht -, dass dieses Lied mehr von Dir sei. Ist das so oder hab' ich mich da getäuscht.

    Sybille: Ja, in dem Fall war die Idee schon zu diesem Lied von mir und drum sing' ich's eigentlich auch. Wobei es jetzt wahrscheinlich nicht das letzte ist, was ich in Zukunft singen werden.

    Ja, das hamma ja auch garnicht behauptet.

    Musik 7
    Street Of Curiosity 3:02 1996
    MD 26

    "Street Of Curiosity" - was heißt das eigentlich auf Deutsch?

    Sybille: Ja, "Straße der Kuriositäten", würde ich jetzt so übersetzen.

    Und gibt's da Kuriositäten auf Eurer Straße, die Ihr gegangen seid bis hier? Oder wie kann man sich den Titel, das Lied erklären?

    Sybille: Ja, es geht eigentlich darum, dass man ... Also, das beschreibt ja, dass ich - quasi - durch die Stadt gehe, auf einer Straße und irgendwie lauter Leute um mich seh', die irgendwie resigniert sind oder schimpfen und irgendwie nicht irgendwie 'ne positive Ausstrahlung haben. Und - ja, davon handelt das halt - das es aber doch noch was anderes gibt als dieses, diese Art.

    Kommen wir wieder zurück zu Euern Auftritten. Ihr habt gesagt, ihr wart in Österreich und auch schon 'n paar Mal in München. Wo gondelt Ihr sonst durch die Weltgeschichte?

    Sybille: Wir hatten mal 'n Auftritt in Ulm, also an zwei Abenden - das war auch recht gut - in 'ner Kneipe. Ohne jetzt groß vorher Werbung zu machen, und trotzdem lief's ganz gut. Und die Resonanz war sehr spitze.

    Das wollt' ich fragen: Wie ist das ... - wie kommt Ihr beim Publikum an? Wir haben ja jetzt hier lauter Studioaufnahmen gehört. Studioaufnahmen - na gut. Aber keine Live-Aufnahmen mit Publikum. Wie is'n die Resonanz?

    Armin: Mmh, ja. Eigentlich kann ich nicht klagen, ja?

    Also, die Leute pfeifen nicht, sondern sind ... äh - angetan.

    Armin: Nein, nö - eigentlich schon. Ja also, wir haben sehr schöne Auftritte gehabt, und vor allen Dingen: Ja, was mir also noch vor Allem auffällt ... wir haben also grad dies Österreich wieder und auch in München mal also so direkt schon die Situation gehabt im Publikum wo man das Gefühl hatte, die versteh'n wirklich, was man will. So grad hier die Münchner war'n zum Beispiel ... die verstanden recht gut Englisch und so ... und das kam noch hinzu. Aber auch einfach von der Intension: das ist 'n ganz großes Gefühl, wenn man also Leute hat, die eigentlich irgendwie merken ... also, das ... umgekehrt: ... das Gefühl hat, das was man macht, kommt auch so an. Das hatte ich also zweimal schon in der kurzen Zeit, wo wir überhaupt das erst zusammen machen, das eigentlich schon erlebt.

    Geht es Dir auch so, dass Du so das Gefühl hast, das Publikum akzeptiert oder versteht oder mag die Lieder?

    Sybille: Ja, meistens schon. Also sicher, machen gefällt's nicht. Das merkt man natürlich auch. Aber im Großen und Ganzen kommt's ganz gut an, meiner Meinug nach.

    Dann machen wir nochmal mit Musik weiter, bevor wir dann dazu kommen, wie man mit Euch in Kontakt kommen kann, wenn man zum Beispiel möchte ... wenn man von Euch - was weiss ich - Musik hören möchte oder wenn man wissen möchte, wo Ihr auftretet zum Beispiel. Ok?

    Sybille: Ja.

    Gut.

    Musik 8
    Boat In The Bog 3:19 1996
    MD 14

  • Jingle 4, Petra + Siggi BAND 0:18

    Ja, und hier ist die Sendung "Liederliches & Klenkunst" heute mit Armin und Bille von Jes ok.
    Ja, "Boat In The Bog", das soviel wie "Boot auf der Werft" oder so ähnlich oder ...

    Armin: (Lachen)

    ... "auf dem Dock", ich weiss es nicht genau und ...

    Armin: Nein, "Boot im Sumpf" heißt es.

    Im Sumpf?

    Armin: Ja, das heißt denn aber ... "Dock" kommt in der zweiten Zeile vor. Viele Trunkenbolde, viel Säufer haben kein "Dock", und der letzte Prinz ist ein Frosch, bloß man kann nicht wegrennen, heißt es dann, ja.

    Mmh. Was heißt das?

    Armin: Ja, es ist eigentlich 'ne Zeitbeschreibung. So 'n Stimmungsbild, is' etwas pessimistisch schon irgendwie. Es kommt mal so 'ne "boggy friend" irgendwie, die "boggy Stadt" vor und so und basiert auch schon bissl eigentlich auf Erlebnissen schon mit ander'n Menschen. Aber es ist etwas so'n bissl pessimistisch, so. Klein bisschen so'n Touch.

    Ich hab' jetz auf die Uhr geschaut, es ist gleich sechs Minuten vor, deswegen müssen wir uns jetzt 'n bissl beeilen. Ich wollt Euch am Schluss noch fragen, wie man mit Euch in Kontakt kommen kann, ich hab's ja eben schon angedeutet. Gibt's da Telefonnummern, die man anrufen kann oder kann man Euch schreiben?

    Sybille: Ja, kann man schon. Am besten tritt man mit'm Armin in Kontakt. Entweder eben telefonisch oder schriftlich ...

    Armin: Die Nummer ist, also die Nummer geb' ich mal durch: 0 8 1 9 1 - 9 4 1 1 5 4. Also nochmal: 0 8 1 9 1 für Landsberg und 9 4 1 1 5 4.
    Und meine Anschrift ist dann: Armin Kammrad, Vorderer Anger 233, 86899 Landsberg.

    Gut, wir werden das am Schluß nochmal wiederholen. Jetzt der letzte oder vorletzte Titel von Euch den wir heut spielen. Das ist wieder ein Titel von Euch selber und diesmal auch in deutscher Sprache.

    Armin: Der ist von uns selber und in deutscher Sprache, ja.

    Und heißt?

    Armin: "Freiheit ist kein leeres Wort".

    Musik 9
    Freiheit ist kein leeres Wort 4:28 1996
    MD 23

    So, leider müssen wir aus dem Lied rausgehen - "Freiheit ist kein leeres Wort" von Jes ok. Ich danke Euch, dass Ihr hier wart, Armin und Bille. Sagt noch mal ganz kurz Eure Telefonnummer, falls man mit Euch Kontakt aufnehmen möchte ...

    Armin: Ja, 0 8 1 9 1 für Landsberg und 9 4 1 1 5 4.

    Gut, dankeschön. Also, vielen Dank, dass Ihr da wart

    Bille: Ja, Danke auch.

    Hat mir Spaß gemacht.

    Armin: Danke auch.

    Und jetzt muss ich noch kurz durchsagen: Verantwortllich für diese Sendung war Michael Lucan, an der Technik saß Hans Waldmann. Er hat übrigens auch in der letzten Woche mit Jes ok diese Musiktitel aufgenommen, dafür auch nochmal extra vielen Dank.

    Und jetzt sage ich dann noch: Vielen Dank für's Zuhören und bis zum nächsten Mal. In der nächsten Woche sitzt Harald Bischoff wieder hier und jetzt im Anschluss geht's weiter mit der ... mit dem Radio Feierwerk, genau. Ich sage tschüss.

    Musik 9
    On Top Of Old Smokey bis ca. 1:20 1996
    MD

  • Impressum, Sprecher: Hans Waldmann

Heute verantwortlich und am Mikrofon: Michael Lucan