Einen wunderschönen Guten Abend. Hier ist wieder LORA München mit der Sendung "Liederliches & Kleinkunst". Am Mikrofon heute Abend: Michael Lucan.

"100 Jahre Kino", das ist heute unser Thema und konkret sind es die Tonfilmschlager aus deutschen UFA-Filmen der dreissiger und vierziger Jahre mit der "Baracke". Willi Forst mit dem Titel "Bel Ami" aus dem gleichnamigen Film stimmt uns schon mal ein.

Heute abend habe ich außerdem einen Gast im Studio: Ute Kilger, Hallo.

Ja, hallo Michael.

Und Du gehörst zu dieser "Baracke", die ich eben erwähnt habe und wirst uns dann gleich im Anschluss ein bißl was über die "Baracke" und über die Filmschlager erzählen.

Mmh, gern.

"100 Jahre Kino" und noch einmal: Guten Abend. Hier also "Liederliches & Kleinkunst", heute mit alten Tonfilmschlagern. Aber wir werden heute keinen weiteren Tonfilmschlager im Original hören, sondern nur Neuaufnahmen.
Ute, Du bist ein Mitglied der "Baracke", und ihr habt diese Titel in Euerem Programm.

Ja, also, wir spielen sie. Wir haben sie umgesetzt und das interessante war natürlich für uns, die Lieder nicht nur einfach nach zu singen sondern einfach dazu eigentlich Szenen zu spielen, die dem ganzen einen gewissen neuen Witz abgewinnen und auch unsere Haltung zu der Zeit ein bißchen zeigen.
Man muss eigentlich diese Lieder "brechen". Das ist so ein Ausdruck, mehr oder weniger aus der Theatersprache. Also, das kommt auch aus dem Brechtschen Theater. Sonst wird es einfach sehr langweilig. und das wollten wir natürlich nicht.

Ich glaube, bevor wir uns jetzt weiter darüber unterhalten, hören wir erstmal 'rein in einen Ausschnitt aus Euerem Programm. Womit fangen wir den an?

"Ich bin von Kopf bis Fuß auf Liebe eingestellt".

Lied: Ich bin von Kopf bis Fuß auf Liebe eingestellt
Zwischenmod Baracke
Lied: Musik Musik Musik

"Musik Musik Musik" von der "Baracke". Ute, die "Baracke", was sind das für Leute eigentlich?

Also, wir sind normale Leute. Also, Arbeiter, Studenten, aus allen möglichen Sparten. Viele Leute wollen auch gerne zum Theater mal richtig gehen. Aber gut, das ist im Einzelfall unterschiedlich, was jeder so mitbringt. Manche bringen mehr handwerkliches Talent mit, manche einfach manchmal auch Gesang. Naja, es gehört eben sehr viel dazu, um überhaupt Theater zu machen.

Wie seid Ihr eigentlich zu Euerem Programm gekommen. ich weiss nicht, alle Leute mögen vielleicht solche Schlager garnicht. Oder täusch' ich mich da?

Also, wir hatten das Gefühl, das eigentlich - irgendwie lag das so in der Luft, 'n bißchen. Ich hab' das immer wieder mal gehört und - in der letzten Zeit zum Beispiel, wenn so Schwarzweissfilme im Fernsehen kamen, fand ich immer diese Lieder ganz witzig. Auch die Ausnahmetechnik aus der alten Zeit ist auch interessant. Die ist so'n bißchen hart, ganz anders als heute. Viel direkter kommt's mir oft vor. Und ich glaube, irgendwie hat das zusammen gefunden, dass sich doch mehr Leute dafür interessiert haben. Und von außen kamen doch sehr viele Zuschauer. Den meisten hat's auch sehr gut gefallen.

Zwischenmod Baracke
Lied: Jede Frau hat ein süßes Geheimnis
Zwischenmod Baracke
Lied: Beim ersten Mal, da tut's noch weh
Zwischenmod Baracke
Lied: Kann denn Liebe Sünde sein?
Zwischenmod Baracke
Lied: Ich brech' die Herzen der stolzesten Frau'n
Lied: Yes Sir!

"Liederliches & Kleinkunst", heute "100 Jahre Kino" deutsche Filmschlage aus den dreissiger und vierziger Jahren mit der "Baracke". Die "Baracke", eine Gruppe von Arbeitern, Studenten und sonst am Theater Interessierten, die halt Lust haben, solche alten Lieder neu zu singen und in Szene zu setzen. Aber Ihr macht das nicht alleine. Gibt's noch andere Sachen, die Ihr jetzt aus der Zeit, meinetwegen als Kontrast zu den Liedern, den Zuschauern bietet?

Ja, wir hatten im Forum 2 - wo wir da gespielt haben - hatten wir so Stellwände. An denen hat eine Mitarbeiterin von uns ganz, ganz viel Material zusammen getragen. So Originalfotos aus der Zeit, aus dem Krieg - wo halt einfach das tägliche Leben ein bißchen beleuchtet wird und man wirklich so das Gefühl hat: Aha, so war das also. Von der Reklame aus dieser Zeit bis zu irgendwelchen Haarwaschmitteln. Also es war sehr interessant für die Zuschauer, auch mal zu sehen, wie es denn wirklich aussah. Auch der Typus der Frauen oder Männer, wie die da so auftauchen in der Nazizeit.

Also, es war ein bißchen ein Kontrastprogramm zu der heilen Welt, die ja in fast allen diesen Schlagern das Thema ist. Die Liebe und die ...

Ja, sehr viele Lieder, die wir spielen, sind ja von 1939 bis 1944, und - ja, wenn man sich da geschichtlich ein bißchen erkundigt, dann ist da Einiges los gewesen.

Wie ist eigentlich Euer Erfolg beim Publikum?

Letzten Sonntag zum Beispiel war es eine wunderschöne Aufführung, die hatte sehr viel Tempo, die hatte stille Momente, die hatte ... einfach: Sie war sehr rund. Man wird durch so 'ne ganze Welt geführt. Und das haben die Zuschauer - glaube ich - auch gemerkt. Also, es ist immer so'n Geben und Nehmen. Und am Ende waren wirklich die Zuschauer so begeistert, das hab' ich noch nie erlebt, dass sie dann so getrampelt haben mit den Füßen. Und wir mussten viele Zugaben spielen,. ja, das war sehr schön.

Zwischenmod Baracke
Lied: Bel Ami
Zwischenmod Baracke
Lied: Ich weiß nicht, wem ich gehöre
Zwischenmod Baracke
Lied: Für eine Nacht voller Seligkeit
Zwischenmod Baracke
Lied: Goodnight Johnny
Zwischenmod Baracke
Lied: Der Wind hat mir ein Lied erzählt

Ute, erzähl' uns doch mal 'n bißchen über die "Baracke" und wie sie sich entwickelt hat.

Gegründet wurde die Baracke 1989 von Heide Radtke, einer Schauspielerin, die dann Regie gemacht hat bei der Dreigroschenoper. Sie hat hauptsächlich Kulturarbeit im Münchner Osten gemacht. Und es kamen eigentlich Leute auf sie zu von außen, die wollten gerne die Dreigroschenoper machen. Und erstmal war das natürlich ein Riesenprojekt, wo dann am Ende 60 Leute mitgespielt haben. Die sind dann auch im Münchner Volkstheater aufgetreten sogar. Es war also 'ne sehr gute Inszenierung, da war ich selbst nicht dabei. Dann gab's jedes Jahr eigentlich 'ne Aufführung und Unterstützung durch's Kulturreferat. Was natürlich 'n sehr großer Vorteil ist für 'ne Gruppe, wenn irgendwie da 'ne Unterstützung da ist.
"Sieben gegen Theben", "Der vergessene Weg zum Frieden" - das war ein Programm von Brecht-Liedern - und dann eben ... - also, ich kam 1992 - dann gab's "Krieg im dritten Stock" und "Evol", 2 Stücke von Pavel Kohout. Dann hab' ich mitgemacht selber in "Zwischen den Stühlen", das war ein Kabarett auch. Mit Texten und Lieder, also praktisch: Wir haben selber dann sogar die Lieder geschrieben zu Gedichten von Erich Kästner. Dann auch Tucholsky-Lieder noch dazu. Das war auch eine relativ ernste Aufführung, die einfach sich bezogen hat auf die neuen nazistischen Tendenzen hier in Deutschland. Damit haben wir den ersten Preis beim Amateur-Theater-Wettbewerb in Pasing gewonnen.
Und letztes Jahr hab' ich noch mit zwei anderen Mitgliedern dieser Gruppe "Kiebig & Dutz" - das haben wir dann ein bißchen selber inszeniert, noch mit Hilfe von Heide auch. Ja, und dann dieses Jahr eben unser Liederprogramm.

Und was ist dann jetzt, sagen wir mal für's nächste Jahr, geplant?

Och, das ist noch offen. Es hängt ein bißchen von den Mitspielern ab. Was dann so kommt. Also, es muss auch was von den Leuten selber kommen. Was liegt eben - wie gesagt - in der Luft?

Wie groß ist die Gruppe jetzt eigentlich?

Fünfzehn Leute schon.

Also alles zusammen? Leute, die auf der Bühne sind und Leute, die mehr andere Sachen machen?

Es sind immer welche im Hintergrund. Manche kommen weniger. Jetzt ein Paar, die haben ein Baby, die können nicht kommen. Also, da ist zum Beispiel jemand, der macht Bühnenbild. Aber dann, für einzelne Sachen kann er dann wieder dazu kommen. Manche sind halt ständig da und manche weniger.

Euer Programm läuft noch ein paar Tage in diesem Jahr. Noch in diesem Monat?

Am 24. und 25. November, das ist ein Freitag und ein Samstag im "Pepper" in Neuperlach.

Das ist gleich bei der U-Bahn, oder?

Mmh.

Was kostet eigentlich der Eintritt?

15 Mark ermäßigt und 17 Mark für Leute, die mehr verdienen.

Ja Ute, jetzt natürlich eine schüchterne Frage: Was hältst Du davon, wenn wir unsren Zuhörern ein paar Freikarten anbieten - durch's Telefon?

Ja.

Wie viel können wir denn da verschenken?

Also, da würd' ich schon mal sagen: Zwei mal drei Karten.

So drei einzelne Freikarten?

Ja.

Und die verlosen wir dann am besten jetzt mal an unsere Hörer. Also, wer da Lust hat, hinzugehen, wem die Lieder hier gefallen haben, der kann bei uns anrufen und die Karten werden an der Kasse hinterlegt. Also, das ist die Telefonnummer 480 28 51. Und dann bitte dazu sagen, für welchen Abend das sein soll, Freitag oder Samstag, und das war der 24. und ...

25.

... und es fängt um 20 Uhr an. Hören wir weiter in Euer Programm 'rein.

Lied: Ich werde jede Nacht von Ihnen träumen
Zwischenmod Baracke
Lied: Die Nacht ist nicht allein zum Schlafen da
Lied: Nur nicht aus Liebe weinen
Zwischenmod Baracke
Lied: So oder so ist das Leben

Ja, "Liederliches & Kleinkunst", "So oder so ist das Leben" haben wir jetzt zuletzt gehört, von der "Baracke". Da habt Ihr alle mitgesungen.

Mmh.

Und, ja, die Sendung ist fast vorbei. Ute, die Baracke ist ja keine geschlossene Gruppe, sondern Ihr seid - nebenbei gesagt - ein eingetragener Verein, aber das nur am Rande. Ihr seid auch offen für neue Leute.

Ja.

Müssen die irgendwas Besonderes können?

Nein. Also, die Leidenschaft für's Theater ist natürlich Voraussetzung. Natürlich dauert's immer 'ne Weile. Jeder Mensch muss natürlich erstmal zeigen, was er so kann. Was er machen möchte, auch. Also, nur auf der Bühne steh'n, das ist einfach nicht das Einzige beim Theater. Aber - wie gesagt - es ist offen für alle.

Wo kann er oder sie sich melden bei Interesse?

Bei Heide Radtke. Und zwar ist das die Nummer 930 45 61.

Also, wenn jemand Lust hat an diesen alten Schlagern, dann ist er vielleicht jetzt nicht mehr so ganz bei Euch aufgehoben, weil Ihr das Programm sicher nicht mehr so oft aufführen werdet, oder?

Oh, doch. Wir haben eigentlich vor auch damit weiter zu schauen. Man kann ja so'n Programm auch verkleinern. Man kann für sich selbst auch im privaten Rahmen mal schauen. Wo 'ne Hochzeit ist, oder ... Es ist immer sehr interessant mit Liedern - ist ja doch sehr beliebt.

Gut. Noch einmal zum Schluss wann man Euch mit Euerem Programm noch einmal live erleben kann. Hier im München im "Pepper". Das war ...

Der 24. und 25. November

... um 20 Uhr. Ja, Ute, vielen Dank, dass Du bei uns im Studio warst und für die Aufnahmen, die Du uns mitgebracht hast.

Ja, also, ich fand's auch schön, da zu sein. Und ich hoffe, das viele Zuschauer kommen. Tschüß.

Tschüß.

Und das war's auch schon wieder. Die Sendung "Liederliches & Kleinkunst" ist für heute abend vorbei. Verantwortlich für diese Stunde war Michael Lucan. Verantwortlich für das Gesamtprogramm ist die LORA-Programmanbieter GmbH in der Pariser Strasse 39 in 81667 München. Verantwortliche Geschäftsführer sind Eberhard Efinger und Neill Castle. Neill Castle war auch heute Chef vom Dienst.

Und wie Harald Bischoff immer sagen pflegt: "Umschalten lohnt nicht", denn auf dieser Frequenz geht's jetzt weiter mit dem Programm von Radio Feierwerk. Ich wünsche viel Spaß dabei.

Ja, und LORA München gibt es morgen wieder von 18 bis 21 Uhr.

Und zum Abschluss noch eine Schallplatte, die eigentlich nicht in die heutige Sendung passt, die mir aber beim Kramen in alten Schellack-Platten auf der Suche nach Willi Forst und "Bel Ami" - die erste Platte heute abend - in die Hände gefallen ist: Harry Roy's Tiger Rag Muffins mit "Harlem Baby".

 

Heute verantwortlich und am Mikrofon: Michael Lucan