Hexenmilch nennt man die Flüssigkeit, die bei Neugeborenen aus der Brustdrüse austritt. Hexenpilze - auch Schusterpilze oder Judenpilze genannt - sind eßbare Pilze mit roten Poren. Wenn man sie zerbricht läuft ihr Fleisch blau an.

Hexenschuß - das ist ein plötzlicher Schmerz in der Lendengegend, der die Bewegungsfähigkeit des menschen teilweise oder für einige Zeit ganz einschränkt. Als Hexagram bezeichnet man ein regelmäßiges Sechseck - auch Davidstern genannt.

Juden, Heiden, Ketzer und Frauen waren Teile der Bevölkerung die als Agenten Satans galten. Allesamt gemeinsam war: "dass sie aus minderwertigen Stoffen geschaffen sind" und so den Einflüsterungen des Teufels besonders anfällig sind! Als Beweis dient hier die Bibel: Urmutter der Hexe war Urmutter Eva, die dem Versucher in Schlangengestalt erlag.

Das waren Zitate aus dem Bertelsmann Volkslexikon von 1956 und aus der Hexenbulle von 19 1484 - aber dazu gleich mehr.

Im zweiten Teil unseres LORA-Spezials zur Hexe von Schongau geht es um Hexen und Teufel. Das letzte Mal hatte ich ja die Ehre mit der Hexe persönlich in Gestalt der Susi Brantl, die jeden Abend auf dem Marktplatz zu Schongau brennen muss und Richard Kurländer, der daselbst die Musik dazu komponiert hat. Heute einige Live-Ausschnitte von den Proben. Das Stück kann noch bis zum 21. August besucht werden.

Aber zurück zur Geschichte der Hexenverbrennungen:

Das epidemienhafte Aufflackern des Hexenwahns stand stets in Zusammenhang mit politischen, sozialen oder ökonomischen Krisen. Die grausame Bekämpfung der Hexen war also ein von der Obrigkeit gesteuertes Ventil um die Frustrationen des Volkes zu kanalisieren, das heißt eben von der Obrigkeit wegzulenken auf schwache Glieder der Gesellschaft zu lenken.

Die Staatskirche, die im antiken Rom selbst Opfer dieses "Sündenbockmechanismus war, bediente sich die folgenden Jahrhunderte des gleichen Prinzips um ihre Macht zu erweitern und zu sichern und um sich zu bereichern.

Gesetzliche Grundlagen für das Konzentrieren des Volkszornes auf die sogenannten Hexen wurden durch die Hexenbulle von 1484 und durch den Hexenhammer von 1487 geschaffen. Es waren detaillierte Handbücher, in denen das Aufstöbern, die Verurteilungsprozeduren und das Vernichten von Hexen beschrieben und paraphiert wurden. Der Hexenjäger wurde dadurch für sein grausames Handwerk legitimiert. Landrichter und Pfarrer beteiligten sich im 16. und 17. Jahrhundert gleichermaßen an diesem Geschäft, dass für alle recht einträglich war. Das Vermögen der Hexen wurde beschlagnahmt, Grund und Boden in der Regel an die Kirche übereignet. Mehr als 100.000 Frauen und Kinder wurden in Europa verbrannt, geköpft, ertränkt oder bis zum Tode gefoltert.

Eine beliebte Prüfung war z.B. wie bei der Agnes Bernauer das Untertauchen. überlebt die Probantin diese Prozedur ist sie eine Hexe und wird verbrannt. überlebt sie es nicht, hat sie den Beweis erbracht, dass sie keine Hexe war.

Das Volk war bei solchen Spektakeln dabei und bekam - zumindest in Bayern - Freibier und Absolution. Fürs Zuschauen 50 Sünden und fürs Bereitstellen von Brennholz 100.

Am 14. Februar 1592 schrieb der Landrichter Hörwarth aus Schongau stolz dem Herzog Ferdinand in München, dass er nun 62 Hexen in 2 Jahren verbrannt hätte. Dies würde Gott dem Allmächtigem zu großem Dank und Ehre gereichen und Eure fürstliche Durchlaucht im In- und Ausland berühmt machen.

Die Person Agnes Weiß, die auch die Hexe von Schongau genannt wird, ist historisch belegt. Die gesamten Prozeßakten sind nahezu vollständig erhalten. Der Münchner Schriftsteller Herbert Rosendorfer machte sie zur Titelfigur eines Volksstücks voller Spannung und Dramatik, bösem Zynismus und skuriler Situationskomik: So werden z.B. Zeugen befragt, die wissen, dass: "...meine Base einen Schwiegersohn hat, der mit eigenen Ohren gehört hat, wie der Scherenschleifer erzählt hat, von einem der das mit eigenen Augen gesehen hat!"

Die Hexe Agnes Weiß wird von Susi Brantl so eindrucksvoll gespielt, dass man ihr am liebsten auf einem Besen zu Hilfe fliegen will. Neben Susi Brantl spielen noch Anton Pointecker den Hexenjäger Abriel, Heinz Rilling den Landrichter, Volker Prechtl den Pfarrer und viele andere mehr. 100 Statisten aus Schongau und der näheren Umgebung unterstützen diesen Hexenprozeß der besonderen Art in eindrucksvollen liebevoll geschneiderten Kostümen.

Die Musik dazu wurde von Richard Kurländer komponiert. Seine Fraunhofer Saitenmusik, die ja eigentlich nur aus vier Personen besteht wurde für das Schauspiel verstärkt.

EINSATZ Kassette!

Ich war vorgestern in Schongau und habe mir eine Probe angeschaut und dabei natürlich den Kassettenrekorder mitlaufen lassen.

Hören wir uns also jetzt einige Ausschnitte aus der Hexe von Schongau an, die noch bis zum 21. August täglich um 20.30 Uhr vor dem Ballenhaus am Schongauer Marienplatz gespielt wird.

(6'30")
Kasette: bis zum Abwinken ca: (30'00)

Schluß-Stichwort auf der Kasette: " es ist sehr schwierig festzustellen, ist dieses Muttermal ein Hexenzeichen oder nicht!"

Moderation:

Einer allerdings ist Spezialist, dies festzustellen: der Der Meister Abriel. Aber der scheint die Rechnung ohne die Hex gemacht zu haben. Bei dem mißglückten Vergewaltigungsversuch des Richters Hörwarth hat diese ein Muttermal auf dem allerwertesten des Richters entdeckt.

Bei der nun folgenden Hexenschau durch Pfarrer, Richter und den Meister beschuldigt nun die Agnes Weiß ihrerseits den Richter als Hexer. Einigermaßen verunsichert zwingen Pfarrer und Meister den Richter sein Hinterteil zu entblößen. Verschiedene Gutachten werden nun über den Richter selbst angeordnet, der verdrückt sich aber wohlweislich.

(0'30")
CD: Gfanga Ham's es
Titel 15 - 20 etwa 11 Minuten

Mehr möchte ich hier nicht verraten.

Das Volksstück "Die Hexe von Schongau" von Herbert Rosendorfer wurde seit der Uraufführung in einer Inszenierung von Peter Grassinger zu einem großartigen Publikumserfolg in der Bayerischen Theaterszene. 1994 wird es im dritten Jahr aufgeführt. Bis zum 21. August täglich um 20.30 Uhr auf dem Marienplatz in Schongau. Der zentrale Kartenvorverkauf und Kartenversand wird organisiert vom Verkehrsverein schongau e.V.

Aber erst gegen Abend nach Schongau zu kommen wäre schade! Ab 12.00 Uhr mittags läuft dort auf dem Marktplatz ein großartiges Rahmenprogramm mit einem großen Kunsthandwerkermarkt. mit Gaucklern und Musikanten. Eine historische Schänke sorgt für Speis' und Trank.

In der Blumenschule finden ständig Vorträge und Seminare zur Pflanzenheilkunde statt. Im Stadtmuseum kann man sogar bis zum 2.Oktober noch die Wanderausstellung: "Der Teufel in Vergangenheit und Gegenwart" besuchen. Das ausführliche Programm zu diesen Veranstaltungen bekommt man bei der Volkshochschule der Stadt Schongau: Tel. 08861-214 39 oder bei der gemeinnützigen Schongauer Historienspiele GmbH Tel.: 08861- 9 34 34

(3'00")
CD Titel 2 bis 5 (ca: 9 Minuten)
Abmoderation nach Vereinbarung