Bis Mai 2016:
Freitags von 21 bis 22 Uhr
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im Münchner Kabel auf 96,75 MHz

Sendung Nr. 38 vom 03.07.1994

Ziemlich genau 20:00 Uhr auf der 92.4! Zeit für Liederliches und Kleinkunst bei LORA MÜNCHEN. Heute wie jeden Sonntag von 20 - 21 Uhr, doch heute abend sitzt nicht Harald Bischoff am Mikrofon.
Mein Name ist Michael Lucan. - heute zum ersten Mal bei "Liederliches und Kleinkunst" - ich vertrete Harald Bischoff, der heute abend verhindert ist.

Und ich habe ein Programm vorbereitet, dass aus zwei Teilen besteht. Zunächst gibt es Cover-Versionen bekannter und etwas weniger bekannter Titel der Beatles. Zeitgenössiche Nachspielungen und Aufnahmen aus neuerer Zeit, die bekannte und unbekannte Künstler mit mehr oder weniger Ernst eingespielt haben.

Und danach, ab ca. halb neun, habe ich die Ehre, ein paar Titel von Django Reinhard vorzuspielen und ein paar Worte über ihn zu verlieren. Und auch von Django Reinhard gibt's bekannte und unbekannte Titel.
Django Reinhard und die Beatles - das ist eine ungewöhnliche Kombination und mancher wird sagen: Das paßt doch gar nicht zusammen. Und so ist es auch. Doch bevor ich jetzt lang und breit erkläre, wie es zu dieser Zusammensetzung kommt, fangen wir lieber an:

 

  • (The Dillards / I've just seen a face - 1:56) CD - Nr. 17

    Die Dillards - sie selbst sagten von sich, dass sie Bluegrass-Pioniere seien - die Dillards also mit einem Titel, den die Beatles 1965 auf der LP "HELP" veröffentlichten. Gespielt als Country-Stück im Jahr 1968. Die Wings übrigens - bzw. Paul McCartney und die Wings - haben auf ihrer World-Tour 1975/76 diese Anregung aufgenommen und "I've just seen a face" ebenfalls im Country-Stil gespielt.

     

  • (Cliff Richard / Things we said today - 2:55) CD - Nr. 15

    Das waren jetzt nicht die Wings, die hören wir eventuell ein anderes Mal. Das war - Cliff Richard. Auch Leute, die bereits Stars waren, haben sich aus dem Katalog der Beatles bedient. Hier aus der 1964 erschienenen LP "A Hard Day's Night" der Titel "Things we said today". Das Lied passte auch ganz gut ins Repertoire von Cliff Richard - er sang damals gern mit leidender Stimme, und Liebeslieder waren sowieso seine Spezialität.
    Diese Aufnahme war übrigens aus dem Jahr 1966.

    Nun etwas ganz anderes: R.A.M. Pietsch:

     

  • (R.A.M. Pietsch / Nowhere Man - 1:16) BAND "BEATLES" - Take 1

    Wer immer R.A.M. Pietsch auch ist - wahrscheinlich ein Holländer. Was R.A.M. bedeutet, habe ich nicht herausfinden können. Wer immer also R.A.M. Pietsch ist, er hat Humor und kennt viele Leute, wir werden das in ein paar Minuten noch genauer hören. Hier hat er sich an den Titel "Nowhere Man" gewagt, aus der 65er LP der Beatles "Rubber Soul", mitgesungen hat unter anderem Mary Hopkin.

     

  • (Bobby McFerrin / From me to you - 2:13) CD - Nr. 18

    Bobby McFerrin. Er erregte allgemeine Aufmerksamkeit durch seinem Hit "Don't worry - be happy", doch Jazzfreunden ist er durch seine sehr eigenwilligen a-cappella-Stücke schon länger bekannt. Beatles nachzuspielen ist eine Sache - es so zu tun wie Bobby McFerrin, der Mann mit den vielen Stimmen, eine ganz andere.

    Auch Alice Cooper hat sich - mit den Bee Gees - an einem Beatles-Titel versucht. "Because" aus der LP "Abbey Road" von 1969. Alice Coopers Aufnahme von 1978 hat ihren eigenen Charme:

     

  • (Alice Cooper & Bee Gees / Because - 2:45) BAND - Take 2

     

  • (Werner Lämmerhirt / Eleanor Rigby - 4:52) LP, Seite 2, Nr. 4

    "Eleanor Rigby" - gespielt von Werner Lämmerhirt, dem Gittarenkünstler, über den es 1974, als er dieses Stück aufnahm, hieß: "Er begreift ein Thema rhythmisch perfekt und selbstsicher. Er ist nicht verspielt, sondern wesentlich. Keine uferlosen Improvisationen, sondern konkrete musikalische Aussagen sind sein Thema." - Naja, wir haben es ja eben gehört.

    Weiter. Wir hören die Beatles selber. Mit dem Titel "Piggies". Er stammt aus dem Weissen Album der Beatles. Danach kommt wieder R.A.M. Pietsch. Er hat sich ein Keyboard geschnappt, und es auch einmal probiert:

     

  • (The Beatles / Piggies - 2:03) BAND - Take 3

     

  • (R.A.M. Pietsch / Theme from "Piggies" - 2:19) BAND - Take 4

    Ich enthalte mich jeden Kommentars zu diesem Stück.

    LORA MÜNCHEN auf der 92,4. Die erste halbe Stunde "Liederliches & Kleinkunst", heute am 03. Juli 1994 ist bald vorbei. In der zweiten halben Stunde, also gleich ab halb neun, gibt es Aufnahmen von Django Reinhard und dem "Quintette du Hot Club de France" - das für diejenigen, die vielleicht erst jetzt eingeschaltet haben.

    Ein Stück werden wir uns aber noch anhören: "Happiness is a warm gun", auch aus dem Weissen Album der Beatles. Und wieder neu aufgenommen von R.A.M. Pietsch. Er hatte dabei nicht nur die Unterstützung der Münchner Philharmoniker, auch einige Mitglieder aus dem Ensemble des Gärtnerplatztheaters haben mitgesungen.

    Aber bevor wir uns das jetzt anhören, habe ich etwas zu verschenken. Ich gebe zu, das ich damit nur feststellen will, ob mir hier überhaupt noch irgendjemand zuhört, oder ob alle noch beim Baden oder im Biergarten sind.

    Eine LP von R.A.M. Pietsch, die LP, aus der die hier von ihm gespielten Titel zu finden sind, habe ich hier vor mir liegen, und wer jetzt anruft, bekommt sie geschenkt. Er oder sie muss sie aber selbst hier im Studio abholen, irgendwann in der nächsten Woche.

    Also, liebe Leute, ruft an: Telefon 480 28 52, ich wiederhole 480 28 52.

    Und nun "Happiness is a warm gun":

     

  • (R.A.M. Pietsch / Happiness is a warm gun - 1:39) BAND - Take 3

     

  • (The Beatles / Happiness is a warm gun - 2:41) LP

    Die Beatles mit "Happiness is a warm gun". Wir haben Coversionen verschiedener Titel der Beatles gehört und zuletzt die Beatles selber. Und nach der Werbung geht's bei "Liederliches & Kleinkunst" weiter mit Django Reinhard.

     

  • WERBUNG (1:10)

     

  • Jingle "Schwarzhörer" (0:34)

     

  • BAND "DJANGO REINHARD" - TAKE 1, 1:27)

    Das war eine Aufnahme aus dem Jahr 1928. Django Reinhard - damals gerade 18 Jahre alt - ist hier als Begleitmusiker am Banjo zu hören. Er war damals noch im Besitz seiner gesunden linken Hand. Doch im November desselben Jahres 1928 brach in seinem Wagen ein Feuer aus, verursacht durch Blumen aus Zelluloidpapier, die durch Unachtsambarkeit in Brand geraten waren.

    Django wurde so schwer verletzt, das ihm die linke Hand amputiert werden sollte. Doch er sträubte sich mit allen Kräften dagegen: Und so wurde er 2 mal operiert. Seine Hand wurde gerettet, doch nach Meinung der Ärzte für immer gelähmt.

    Django jedoch trainierte mit eisernem Willen - und mit dem unglaublichen Ergnis, dass 3 Finger seiner Hand wieder einsatzfähig wurden.

    Er war nun gezwungen, eine eigene Grifftechnik zu entwickeln, und dies ist ihm so gut gelungen, dass sie - ja - einzigartig in ihrer Virtuosität dasteht. Einzigartig in der Geschichte des Gitarrenspiels.

    Wenige Monate nach der Entlassung aus dem Hospital - fast 2 Jahre nach dem Unfall - spielte Django wieder.

    Wir hören ihn mit dem "Orchestre du Lidó" von Louis Volat im Juni 1931:

     

  • (BAND - TAKE 2, 2:59)

    Das war Django Reinhard mit dem "Orchestre du Lidó".
    2 Jahre später - Django Reinhard spielt jetzt im "Orchstre du Theatre to nous". Und hier klingt er schon durch, wie wir kennen: Ein Quentchen Swing - und Jazz - im typischen Django-Reinhard-Stil ist schon zu erkennen:

     

  • (BAND - TAKE 3, 2:23)

    Django Reinhard und das "Orchstre du Theatre to nous".
    Im Dezember 1934 gründeten Django Reinhard und Stéphane Grapelli das "Quintette du Hot Club de France". Stéphane Grapelli - Geige, Django Reinhard - Gitarre, sein Bruder Joseph Reinhard und Roger Chapus - Begleitgitarren und Louis Vola - Bass. Das "Quintette du Hot Club de France" war geboren und begann einen Siegeszug swingender europäischer Zigeunermusik.

    Eine der ersten Aufnahmen der fünf - Dinah:

     

  • (BAND - TAKE 4, 2:35 "Dinah" B - 2:51 "Swing Guitars")

    Das "Quintette du Hot Club de France". Wir hörten "Dinah" und "Swing Guitars". Letzteres auch eine Komposition von Django Reinhard und Stéphane Grapelli. Begonnen hatten Sie ja hauptsächlich mit amerikanischen Standards, wie zum Beispiel "Dinah".
    Das Quintett war 1935 bis 1939 in Europa - besonders natürlich in Frankreich - viel umjubelt. Und in allen europäischen Ländern auf Tournee. Für Django Reinhard der Höhepunkt seiner musikalischen Karriere.
    Hören wir zwei weitere Titel:

     

  • (BAND - TAKE 5A, 3:08 "Minor Swing")

     

  • (BAND - TAKE 5B, 3:08 ?? )

    1939 - der zweite Weltkrieg brach aus, und die fünf swingenden Musiker aus Paris gastieten gerade in London. Stéphane Grapelli zog es vor, dort zu bleiben. Er hatte - berechtigte - Angst, auf den Kontinent zurückzukehren. Doch der Rest des "Quintette du Hot Club de France" und mit ihm Django Reinhard kehrte 1940 zurück nach Paris, der Wahlheimat Djangos. Und man fand Ersatz für Stéphane Grappelli:

    Hubert Rostaing und seine Klarinette wurden in die Band aufgenommen, und das klang so:

     

  • (BAND - TAKE 6, 2:54)

    Nach dem Krieg - im Jahr 1946 - nahm das "Quintet du Hot Club de France" fast in der Originalbestzung - aber immerhin wieder mit Stéphane Grapelli an der Geige - eine der schönsten - und heute noch eine der bekanntesten - Kompositionen von Django Reinhard zum wiederholten Male auf - Nuages:

     

  • (BAND - TAKE 7, 3:21 "Nuages")(59:00)

    Django Reinhard, oder das "Quintette du Hot Club de France" mit "Nuages". mehr Informationen über Django Reinhard kommen - wenn's gewüscht wird - irgendwann einmal. Schreibt uns! Adresse folgt gleich.

    Und damit ist das heutige Programm von LORA MÜNCHEN zuende.
    Mein besonderer Dank geht an Reto Baumgartner, der heute für die Tontechnik verantwortlich war.

    Verantwortlicher Redakteur für diese Stunde "Liederliches und Kleinkunst" war Michael Lucan.
    Für das Gesamtprogramm verantwortlich ist die LORA Programmanbieter-GmbH in der Pariser Straße 39, 81667 München. Verantwortliche Geschäftsführer sind Eberhard Efinger und Eckard Thiel. Chef vom Dienst war heute Neil Castle.
    LORA München gibt es morgen wieder von 18:00 bis 19:00 Uhr auf der Frequenz 92,4 - im Kabel 96,75 Megahertz.

    Und nun noch viel Spaß mit dem nachfolgenden Programm von unseren Kollegen von Radio Feierwerk. Bis es soweit ist, hören wir noch Django Reinhard: "After you've gone".

     

  • (LP, After You've Gone)

Heute verantwortlich und am Mikrofon: Michael Lucan